Perm Russland

Im Jahr 2008 unterhielt Nestlé in Russland 14 Werke mit über 9000 Angestellten, eine davon in Perm im Ural, 1400km von Moskau entfernt. In dieser Industriestadt produzierten tausend Mitarbeitende in einer 1990 gebauten Fabrik die Nestlé-Produkte Kitkat.

Die Unternehmensleitung der Schokoladefabrik von Nestlé Russland in Perm hatte die Forderung der Gewerkschaft nach Lohnverhandlungen wiederholt mit der Behauptung zurückgewiesen, es sei Konzernpolitik, die Löhne aus jeder Form von Kollektivverhandlung auszuschließen. Am 23. Januar 2008 wurde der Druck auf die Gewerkschaft und ihre Mitglieder noch einmal verstärkt, als die Unternehmensleitung einen "Soziologischen Fragebogen" verteilte, in dem die Mitarbeiter des Betriebs über ihre politischen Ansichten, ihre Bereitschaft zur Teilnahme an Protestaktionen und ihr Vertrauen in Gewerkschaften, politische Parteien und Institutionen befragt wurden.

Am 11. Februar 2008 reichte die IUL beim nationalen Kontaktbüro der OECD in der Schweiz eine offizielle Klage ein, da die von Nestlé in Perm verfolgten Praktiken in eklatantem Widerspruch zu den Bestimmungen der Richtlinien hinsichtlich der Menschenrechte und Arbeitsnormen standen.

Im Mai 2008 kamen Vertreter der Gewerkschaft aus Perm mit der Unterstützung der Unia und der IUL in die Schweiz, um vor dem Hauptsitz in Vevey für ihre Anliegen zu demonstrieren. Nach monatelangem Ringen erreichte die Gewerkschaft am 11. Juni 2008 endlich eine Einigung mit Nestlé in Perm und es wurde eine Vereinbarung für Lohnverhandlungen unterschrieben. Damit gab Nestlé Perm dem Druck der Arbeitenden in der Kitkat-Fabrik nach, dies nicht zuletzt dank des internationalen Aufsehens, das deren Protestaktionen ausgelöst hatte.
News zu Perm
22.2.2010: Repressionen gegen Nestlé-Arbeiter in Russland
13.6.2008: Gewerkschaft gewinnt in Perm
19.5.2008: Nestlé-Konflikt in Perm schlägt immer grössere Wellen
28.4.2008: In Nestlé-Fabrik in Russland droht Streik
11.4.2008: Proteste wegen Lohnverhandlungen in Nestlé-Fabrik in Perm
14.2.2008: IUL macht OECD-Eingabe gegen Nestlé