Nestlé Honkong

Am 27. Juli 2008 traten rund 200 Arbeitnehmer des Speiseeis- und Kühlkostwerks von Nestlé Hongkong in einen dreitägigen Streik. Sie forderten eine Begrenzung der Arbeitszeit auf 12 Stunden, Dauerbeschäftigungsverträge für Gelegenheitsarbeiter, eine Lohnerhöhung um 7% und eine Erhöhung der Verkaufsprovision um 6% (Zulage für überdurchschnittliche Umsätze). Durch den Streik kam die Produktion mitten in der Hochsaison zum Stillstand, und die Hongkonger Öffentlichkeit erfuhr zu ihrer Bestürzung Einzelheiten über die unzumutbaren Arbeitsbedingungen bei dem weltweit größten Lebensmittelverarbeitungsunternehmen. Zu diesen Arbeitsbedingungen gehörten 17-stündige Arbeitstage, Lohnsteigerungen während der letzten 12 Jahre, die gerade einmal 1% ausmachten, sowie die systematische Verweigerung von Dauerbeschäftigungsverträgen für Gelegenheitsarbeiter, auch wenn diese bereits seit mehr als zehn Jahren in dem Betrieb tätig waren. In der zweiten Verhandlungsrunde am 29. Juli wurde mit dem Unternehmen eine Einigung erzielt, die von allen 200 Streikenden untertützt wurde. Der Streik wurde daraufhin abgebrochen.

Statt jedoch diese missbräuchlichen Beschäftigungspraktiken wie vereinbart einzustellen, verschärfte die Nestlé-Unternehmensleitung den Konflikt weiter, indem sie Gelegenheitsarbeitnehmer entließ, ehe ihre Verträge endeten. Drei Vertragsarbeitnehmer, die der Gewerkschaft angehörten und deren Verträge noch nicht abgelaufen waren, wurden am 31. Dezember 2008 entlassen. Am 14. Januar erfolgte die Entlassung weiterer zwei Vertragsarbeitnehmer. Erzürnt über diese neuen Attacken gegen Gelegenheitsarbeitnehmer und frustriert wegen des Fehlens jeder Möglichkeit, formelle Verhandlungen aufzunehmen, wiederholte die Gewerkschaft am 19. Januar ihre Forderung nach unverzüglicher Anerkennung der Gewerkschaft, einem Ende der Entlassung von Gelegenheitsarbeitnehmern und einer Erhöhung der Zahl der ständig beschäftigten Arbeitnehmer. Nestlé lenkte ein und bekundete seinen guten Willen, den Weg für Verhandlungen über die ständige Beschäftigung von Zeitarbeitnehmern und die formelle Anerkennung der Gewerkschaft freizumachen.

Nur zwei Wochen, nachdem der IUL-Mitgliedsverband Hong Kong Nestlé Workers Union diesen Arbeitskampf beendet hatte, setzte das Unternehmen zu einem aggressiven Angriff gegen die Gewerkschaft an, indem es ihren Vorsitzenden Chan Pong Yin auf unbegrenzte Zeit suspendierte. Damit wurde deutlich, dass die Nestlé-Unternehmensleitung keineswegs die Absicht hatte, die Existenz der Gewerkschaft in ihrem Hongkonger Werk zu erlauben, und ihre früheren Zusagen in Sachen Gelegenheitsarbeiter und Gewerkschaftsanerkennung nichts als leere Worte waren. Am 21. Februar 2009 traten die Arbeiter/innen in einen Streik, um die Wiedereinstellung des Gewerkschaftsvorsitzenden zu fordern. In nur fünf Stunden lenkte die Unternehmensleitung ein und stellte ihn wieder ein.

Im Oktober 2009 hatte sich die Situation noch immer nicht verbessert. Die Gewerkschaft durfte weder Broschüren auf Nestlé-Gelände verteilen, noch Arbeiter/innen mündlich über die Gewerkschaft informieren. Nestlé war erneut dazu übergegangen, Arbeiter/innen nur noch auf temporärer Basis und zu sehr schlechten Konditionen anzustellen. Damit verhinderte das Unternehmen in effektiver Art und Weise, dass die Gewerkschaft neue Mitglieder gewinnen konnte.
News zu Nestlé Honkong
28.10.2009: Bei Nestlé Hong Kong keine Besserung in Sicht
20.3.2009: Entlassener Gewerkschaftsführer in Hong Kong wieder eingestellt
26.1.2009: Nestlé verweigert Anerkennung von Gewerkschaft in Hong Kong