Gewerkschaftliche Rahmenabkommen

Multinationale Unternehmen, welche mit internationalen Gewerkschaftsbünden Rahmenabkommen abschliessen, verpflichten sich, die grundlegenden Arbeitsnehmerrechte der internationalen Arbeitsorganisation (IAO) zu respektieren. Des Weiteren verpflichten sie sich, Gewerkschaftsrechte und das Recht auf Kollektivverhandlungen zu achten und Chancengleichheit, ausreichende Löhne und menschenwürdige Arbeitsbedingungen sowohl im eigenen Unternehmen als auch bei ihren Subunternehmen und Lieferanten zu gewährleisten. Internationale Rahmenabkommen stellen somit für Gewerkschaften ein globales Instrument dar, um grundlegende Arbeitnehmerrechte in allen Ländern vor allem aber auch in Schwellen- und Entwicklungsländern durchzusetzen. In vielen Staaten existiert keine entsprechende Gesetzgebung oder diese wird nur mangelhaft umgesetzt. Auch für Unternehmen können sich Vorteile bieten. Einerseits profitieren sie von guten Beziehungen zu Gewerkschaften. Andererseits tragen die unterzeichneten internationalen Rahmenabkommen zu einem positiven öffentlichen Image bei. Die Unternehmen erhalten mehr Glaubwürdigkeit und moralisches Gewicht. Eine Grundlage für einen gegenseitig vorteilhaften Dialog wird geschaffen.

Internationale Rahmenabkommen und unternehmensinterne Verhaltenskodizes

Zu unterscheiden sind die internationalen Rahmenabkommen von unternehmensinternen Verhaltenskodizes. Letztere werden normalerweise von den Unternehmen selbst erstellt und berücksichtigen folglich vor allem die Interessen des Unternehmens. Dagegen werden in Rahmenabkommen beide Seiten berücksichtigt und in einen regelmässigen Austausch gebracht. Zudem legen internationale Rahmenabkommen auch Wert auf eine gemeinsame Kotrolle und Umsetzung der sozialen Verpflichtungen.

Das erste internationale Abkommen wurde 1988 zwischen Danone und der IUF (International Union of Food, Agriculture, Hotel, Restaurant, Catering, Tobacco and Allied Worker's Association) abgeschlossen. Es dauerte jedoch noch einige Jahre, bis sich weitere Abkommen dazugesellen sollten. Erst nach dem Jahrtausendwechsel schafften die internationale Rahmenabkommen definitv den Durchbruch.
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Erfolg internationaler Rahmenabkommen

Der Erfolg von internationalen Rahmenabkommen hängt entscheidend von der Stärke der Gewerkschaften auf einzelstaatlicher Ebene, von bestehenden Aktivitäten in den europäischen Betriebsräten oder auf der Ebene von globalen Kampagnen ab. Zum ist es wichtig, dass Kollektivverhandlungen auch auf einzelstaatlicher und Unternehmensebene erfolgreich geführt werden können. Kritisiert wurden internationale Rahmenabkommen, die rein deklamatorischen Charakter haben und deren reale Auswirkungen auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten gering sind. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn diese Abkommen in einzelnen Ländern nicht durch nationale oder regionale gewerkschaftliche Organisationen durchgesetzt werden können und/oder ein regelmässiges Monitoring und paritätische Vollzugsorgane fehlen.

Schweizer Unternehmen fehlen

Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz fehlen bis heute noch in der Liste der internationalen Rahmenabkommen mit globalem Geltungsbereich (siehe oben). Die Gewerkschaft Unia und die BHI pflegen aber seit längerer Zeit mit dem Zementkonzern Holcim auch globale Kontakte und hoffen, dass diese in nächster Zeit zu einem Abkommen führen und institutionalisiert werden können. Mit den anderen industriellen Grosskonzernen wie z.B. Nestlé, Novartis und ABB wird dies auch angestrebt.

Internationale Menschenrechtsinstrumente

Ausführliche Informationen zu internationalen Menschenrechtsinstrumenten und deren Anwendung sowie ein informatives Themendossier zu transnationalen Unternehmen und Menschenrechten finden Sie auf der Webseite von Humanrights.ch.

UNO-Sonderbeauftragter für Wirtschaft und Menschenrechte

Aktuelle Informationen zum Sonderbeauftragten der UNO zu transnationalen Unternehmen finden Sie auf der Seite des Business and Human Rights Resource Centre.

OECD-Leitsätze

Alien Tort Claims Act