Rigoberta Menchù bezichtigt Holcim der Missachtung von Menschenrechten

In einem Schreiben an die Konzernleitung von Holcim in Zürich vom 27. April 2009 beschuldigte die Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchù Tum die Firma Cementos Progresos SA des rücksichtslosen Vorgehens gegen die indigene Bevölkerung in der Region San Juan in Guatemala.

In dieser Region beabsichtigt Cementos die Errichtung eines Zementwerkes und mehrerer Steinbrüche. Dies geschieht auf einem Territorium, das zwar privat ist, auf dem jedoch die indianische Bevölkerung seit Jahrhunderten Rechte beansprucht. Dabei werden laut Menchù die Rechte der indigenen Bevölkerung mit Füssen getreten und zwar durch das beteiligte Unternehmen wie auch durch staatliche Vertreter. Es ist zu Verfolgungen und Schikanen gegen Einwohner gekommen, die sich gegen die Errichtung des Werkes gewehrt haben. Zudem beschuldigt Menchù die Cementos Progresos ein unvollständiges Umweltgutachten erstellt zu haben, in dem die sozialen Auswirkungen des Projekts überhaupt nicht berücksichtigt wurden.

Das Zementwerk und die Minen sollen mit Kapital von Holcim und von der City Bank errichtet werden. Holcim hält zudem an Cementos 20 Prozent und bezeichnet es als dem Konzern assoziiertes Unternehmen. Menchù appellierte deshalb an die beiden Unternehmen, ihre ethischen Prinzipien und insbesondere die Standards der Internationalen Arbeitsorganisation einzuhalten, bevor nicht wieder gut zu machende Schäden entstanden sind.

Am 20. Mai 2009 wurde der Brief von Rigoberta Menchù vom zuständigen Konzernleitungsmitglied Thomas Knöpfel beantwortet. Darin wird behauptet, dass Holcim nur einen beschränkten Einfluss auf die Firma Cementos Progresos hat, da sie nur Minderheitsaktionär ist. Trotzdem habe aber der CSR-Beauftragte von Holcim das betroffene Gebiet 2008 besucht und mit verschiedenen VertreterInnen der Bevölkerung Verhandlungen geführt. Dabei sei ein Aktionsplan mit diversen Initiativen entwickelt worden, u.a. auch die Initiative „mesas de diàlogo“, in die auch Rigoberta Menchùs Stiftung involviert war.

Thomas Knöpfel lädt in seinem Antwortschreiben Rigoberta Menchù ein, direkt in den Dialog mit der Firma Cementos Progresos zu treten und die in ihrem Brief aufgeworfenen Probleme zu besprechen. Er bietet ihr zudem an, ein Treffen mit dem CSR-Verantwortlichen von Holcim zu arrangieren, wenn dieser nächstes Mal in Guatemala weilt.
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