Landlose in Brasilien exekutiert

Am 21. Oktober 2007 überfielen von Syngenta bezahlte Milizen ein Zeltlager der Landlosenbewegung MST im brasilianischen Bundesstaat Parana. Aus nächster Nähe exekutierten sie mit zwei Schüssen in die Brust den 34-jährigen Kleinbauern und MST-Aktivisten Valmir Mota de Oliveira, Vater von drei Kindern. Durch Schüsse und Schläge verletzten sie mehrere Personen schwer. Zwei weitere MST-Mitglieder, Celso Barbosa und Celia Lourenço, wurden von den Milizarmee-Angehörigen verfolgt, konnten sich jedoch retten. Valmir Mota hat wie viele hundert andere Aktivisten die Umweltverbrechen Syngentas weltweit bekannt gemacht. Das konnte der Konzern nicht auf sich sitzen lassen.

Die Landlosenbewegung MST


Die MST ist Mitglied der globalen Bewegung Via Campesina, in der Kleinbauern und -bäuerinnen, Landlose, Landarbeiter und Indigene für das Recht auf Ernährungssouveränität eintreten. MST mit weit mehr als einer Million Mitgliedern kämpft seit über zwanzig Jahren für eine gerechte und soziale Agrarreform. In Brasilien besitzen 1% der Grundeigentümer 43% der landwirtschaftlichen Gebiete, die häufig brach liegen. Etwa 300.000 landlose Familien haben durch Landbesetzungen des MST bisher Land erhalten. Bei den Besetzungen wurden mehr als 1.000 Menschen von Pistoleros und der Militärpolizei ermordet.

Besetzung Syngenta-Versuchsfelder


Schon im März 2006 hatte Via Campesina Brasilien und MST das 120 ha grosse Gentechnik-Versuchsfeld von Syngenta in Santa Teresa do Oeste besetzt und darauf hingewiesen, dass dieses illegal sei. Es befindet sich in der Pufferzone des Iguaçu-Nationalparks mit den gleichnamigen berühmten Wasserfällen. Nach brasilianischem Recht darf innerhalb einer Entfernung von 10 km um Naturschutzgebiete keine Gentechnik ausgesät werden. Dank der Hartnäckigkeit der Besetzer verurteilte die Umweltbehörde IBAMA Syngenta zu einer Geldstrafe von CHF 500’000. Der Konzern konnte sich der Strafe entziehen, weil die Regierung Lula das Gesetz änderte und die Pufferzone auf 500 Meter verringerte.

Mit der Besetzung der Gentechnikfelder will die MST darauf aufmerksam machen, auf welche Weise das multinationale Agrobusiness in Brasilien agiert und sogar einzigartige Naturschönheiten wie den Nationalpark Iguaçu mit Gentechnik und Agrochemikalien verseucht. Die Syngenta-Versuchsfelder grenzen zudem an die schon länger bestehende MST-Siedlung »Olga Benario« und kontaminieren die dort angebauten traditionellen Maissorten.

Enteignung Syngentas per Dekret


Gleich zu Beginn der Besetzung hat MST vorgeschlagen, die Syngenta-Felder in ein Forschungszentrum für ökologischen Landbau und bäuerliches Saatgut umzuwandeln, mit Landsorten, die für alle kostenlos zur Verfügung stehen. Der Gouverneur des Bundesstaates Parana, Roberto Requiao, unterstützte diese Idee. Per Dekret liss er die Syngenta-Felder enteignen und ordnete die Schaffung eines solchen Zentrums an. Die unter dem Einfluss der Großgrundbesitzer stehende Bundesjustiz hat das Dekret jedoch aufgehoben. Als die 70 Bauernfamilien, die sich auf dem Gelände bäuerlich eingerichtet hatten, einen Räumungsbescheid von der Justiz und Morddrohungen von den Privatmilizen Syngentas erhielten, verliessen sie im Juli 2007 die Versuchsfelder. Sie ließen sich in der benachbarten Siedlung »Olga Benario« nieder. Dort tauchten am 20. Juli die schwerbewaffneten Syngenta-Milizen auf, stiessen Morddrohungen aus und entluden ihre Waffen schliesslich auf eine MST-Fahne. Diese Vorgänge wurden angezeigt und von der Polizei protokolliert. Am 21. Oktober kehrten die Besetzer auf das Syngenta-Gelände zurück – unbewaffnet – um eine friedliche Lösung des Konflikts im Sinne der Landlosen herbeizuführen. Daraufhin griffen die Wachleute der bei Syngenta unter Vertrag stehenden Sicherheitsfirma NF auf oben beschriebene Weise an. Syngenta gibt zwar zu, NF-Milizen unter Vertrag genommen zu haben, das Tragen von Waffen sei ihnen jedoch nicht erlaubt. Dazu die Menschenrechtsorganisation Terra de Direitos: »Die NF-Milizen wurden wegen illegalem Waffenbesitz angezeigt und die Eigentümerin der Firma verhaftet. Syngenta wusste von all dem, hat den Vertrag mit NF aber nicht gekündigt, sondern offensichtlich den Überfall angeordnet.
Gemeinsamer Protest der MST, Via Campesina, Terra de Direitos sowie zahlreichen Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen in Brasilien und weltweit verurteilen das Vorgehen Syngentas aufs Schärfste.

Brasilien: Mord im Umfeld der Syngenta, Brot für Alle, 07. November 2007

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