Xstrata setzt in Peru trotz begangener Menschenrechtsverletzungen durch die Polizeikräfte weiterhin auf deren Dienste

Xstrata Tintaya bezahlt erneut staatliche Polizeikräfte zur Bewachung ihres Tagebaus. Gleichzeitig trauert die Bevölkerung der Andenprovinz Espinar um das dritte Todesopfer der gewaltvollen Auseinandersetzungen im Bergbaukonflikt von Ende Mai. Das offensichtliche Gewaltpotential der staatlichen Sicherheitskräfte lässt befürchten, dass es auch in Zukunft in der nach wie vor ungelösten Konfliktsituation zu Menschenrechtsverletzungen von streikenden ZivilistenInnen kommen kann. Mit der Tatsache, dass Xstrata Tintaya weiterhin Polizeibeamte gegen attraktive Bonuszahlungen anheuert, bekräftigt das Unternehmen kurz vor seiner Fusion mit Glencore erneut, dass es seine Sorgfaltspflicht nur ungenügend wahrnimmt.


Die Forderungen nach der Durchführung einer unabhängigen Umweltstudie zur Abklärung der vorgefundenen Schwermetallbelastungen in Gewässer, Böden sowie Urin und Blut der Bevölkerung rund um den Tagebau von Xstrata Tintaya, hatte die Menschen in Espinar am 21. Mai vor die Tore der Mine bewegt. Das Unternehmen bot dabei zur Absicherung seiner Schürfaktivitäten rund 1500 Polizeikräften auf. Im Verlauf der mehrtägigen Proteste eskalierte die Situation und endete mit der den tragischen Bilanz von über 100 Verletzten, 23 Gefangenen und drei Todesopfern. Der ehemalige Gemeindepräsident der bäuerlichen Dorfgemeinschaft Tintaya Marquiri, Felix Yauri Usca, ist nach Rudecindo Manuelo Puma und Walter Sencia Ancca das dritte Todesopfer, das an den Folgen einer Schussverletzung verstarb.

Dass die Polizeikräfte vor physischen und psychischen Misshandlungen nicht zurückschrecken, belegen Zeugenaussagen der 23 zeitweise im Bergbaucamp von Xstrata Tintaya inhaftierten Gefangenen.

„Ich wurde vor dem Wächterhäuschen im Eingangsbereich der Mine festgenommen [...] rund 20 Polizisten zielten mit ihren Pistolen auf mich. Mit dem Lauf einer Pistole an meinen Kopf gedrückt, öffneten sie mir die Türe und ich stieg aus dem Fahrzeug aus. Dann schlugen sie mich mit ihrem Polizeistock, traten mich und gaben mir Faustschläge. [...] dann schlugen sie mich erneut und beschimpften mich ich sei ein Terrorist [...], sie rissen mir meinen Bart und Teile meiner Haare weg. Als wir im Quartier der Polizei [Bergbaucamp von Xstrata Titnaya] eintrafen beschimpften sie mich erneut und drohten mich zu töten und meinen Kopf als Fussball zu benutzen [...] dann wuschen sie mir das blutige Gesicht. Ich kam auf freiwilliger Basis zum Bergbaucamp, weil ich feststellen wollte wer die Gefangenen sind, um die Familienangehörigen zu informieren [...]“ [Wilbert Usca Huamasi*]
Xstrata Tintaya hatte der Errichtung eines Gefangenlagers durch die angeheuerten Polizeikräfte während des eskalierten Konfliktes Ende Mai stillschweigend zugebilligt und den Einsatzkräften neben Schlafplätzen, die Nahrungsversorgung, das unternehmenseigene Gesundheitszentrum und die Büroeinrichtungen zu Verfügung gestellt. Xstrata hat sich damit der aktiven Komplizenschaft schuldig gemacht und wesentlich dazu beigetragen, dass grundlegende Menschenrechte verletzt wurden. Das politische Klima der notorischen Straflosigkeit in Peru scheint auch noch nach dem eskalierten Konflikt dazu zu führen, dass Xstrata Tintaya in Espinar weitreichende Kontrolle über das lokale Geschehen behält und ihm dafür die Polizeibeamten tatkräftig zur Seite stehen. Umso verwerflicher erscheint nun die Tatsache, dass der Multi erneut die Ordnungshüter zur Bewachung der Anlage herbeiruft. Angesichts der ungelösten Umweltproblematik ist die Unzufriedenheit und Unsicherheit in Espinar entsprechend gross und es wird befürchtet, dass erneut soziale Unruhen drohen.

MultiWatch fordert zusammen mit anderen Organisationen angesichts dieser Ereignisse nachhaltige Änderungen in der Unternehmenspolitik von Xstrata Plc., um zu garantieren, dass in Zukunft die Rechte der Zivilbevölkerung in Espinar umfassend respektiert werden und das Unternehmen seiner Sorgfaltspflicht nachkommt.

*Pseudonym, Name und Akten liegen MultiWatch vor


Golda Fuentes (MultiWatch), Espinar (Peru), 5.9.2012
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