Glencore Xstrata plc.: Wir schauen hin – auch nach der Fusion!

Medienmitteilung vom „Shadow Network – Glencore Xstrata Watchdogs“, ethecon – Stiftung Ethik & Ökonomie, die Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien und MultiWatch anlässlich der ersten Generalversammlug von Glencore Xstrata plc.

Am 2. Mai 2013 fusionierte Glencore und Xstrata zu Glencore Xstrata plc., einem der weltweit grössten und intransparentesten Mega-Minenkonzernen. Doch der Konzern hat zahlreiche Leichen im Keller und die Aussichten auf Besserung unter der neuen Struktur sind düster. Das NGO-Netzwerk „Shadow Network – Glencore Xstrata Watchdogs“, die deutsche Stiftung ethecon, die Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien und MultiWatch fordern vom neuen Minenkonzern, die ungesühnten Verstösse gegen Menschenrechte und Umweltnormen unter Anwendung einer umfassenden Sorgfaltspflicht und einem transparentem Reporting lückenlos aufzuarbeiten und Wiedergutmachung zu leisten. Glencore Xstrata plc. muss einen Massnahmen-Katalog und Policies veröffentlichen und glaubhaft darlegen, wie solche Verstösse und Missstände zukünftig vermieden und geahndet werden können.


Der seit dem zweiten Mai existierende Megakonzern „Glencore Xstrata plc.“ ist ein kaum durchschaubares Labyrinth von Aktivitäten, Tochtergesellschaften und Holdings. Die meisten Abbautätigkeiten des Schweizer Unternehmens befinden sich in Entwicklungsländern, die von der Ausbeutung ihrer Bodenschätze kaum profitieren. Verstösse gegen Menschenrechte und Umweltnormen wurden in den letzten Jahren bei beiden Konzernen immer wieder bekannt, wie folgende Beispiele zeigen:

Verstösse gegen Menschenrechte und Umweltstandards in Peru, Australien und Kolumbien

  • In Peru verlangt die Bevölkerung seit langem die Abklärung der Ursache von Schwermetallbelastungen im Umfeld der Xstrata-Mine Tintaya. Missbildungen und Totgeburten bei den Vieherden wurden in den letzten Jahren immer wieder dokumentiert. Statt sich dialogbereit zu zeigen, stellte Xstrata die unter Vertrag genommene Polizei vor den Eingang der Mine, um die Installationen vor der streikenden Bevölkerung zu schützen. Im Mai 2012 führte die aggressive Antwort der Polizei zu drei Todesopfern und vielen Verletzten.
  • Im australischen Queensland plante Xstrata eines der grössten Kohleabbauprojekte im Tagebau der südlichen Hemisphäre. Mit der in der Wandoan-Mine abgebauten Kohle wird – wenn sie verbrannt wird – jährlich 0.17% des gesamten globalen CO2-Ausstosses produziert. Das ist mehr als der jährliche CO2-Ausstoss von 108 der insgesamt 186 Länder weltweit. Fünf von 46 betroffenen Bauernfamilien haben Xstrata verklagt und weigern sich, das Land zu verlassen. An der Küste hat sich ein breiter Widerstand aus Parteien und Umweltorganisationen wie Greenpeace und Friends of the Earth gebildet, der sich gegen den geplanten Kohlehafen im Fitz Roy Delta wehrt. Ein solcher Hafen würde das UNESCO Schutzgebiet "Great Barrier Reef" massiv bedrohen. Glencore Xstrata plc. hat vor wenigen Tagen verkündet, das geplante Kohlenhafenprojekt "aus finanziellen Überlegungen" zu stoppen. Dennoch ist Ginny Gerlach, Koordinatorin der lokalen Keppel and Fitzroy Delta Alliance (KAFDA) zur heutigen GV angereist. Sie fordert von „Glencore Xstrata plc.“ eine Garantie gegenüber der australischen Bevölkerung und Regierung, das auf Eis gelegte Projekt endgültig einzustellen. Laut Gerlach wurden die vom Projekt betroffenen Gemeinden völlig unzureichend konsultiert und Entscheidungen über die Köpfe der betroffenen Menschen hinweg getroffen.
  • In Kolumbien beklagen die AnwohnerInnen der Küste von Santa Marta eine massive Meeresverschmutzung durch den Kohleverlad der Prodeco Gruppe (Glencore). Die Prodeco Gruppe musste bereits die Abbautätigkeit in ihrer Calenturitas-Mine einstellen, weil Umweltauflagen nicht eingehalten wurden. Seit Jahren kämpft die Gewerkschaft der Prodeco-Angestellten Sintramienergética für bessere Arbeitsbedingungen. Glencore stellt sich taub und bekämpft die Proteste vor Gericht und mit Repression durch Sondereinheiten der Polizei. Zudem verzögern Glencore und andere Unternehmen seit über zwei Jahren systematisch notwendige Umsiedlungsprozesse, wodurch die Menschenrechte der Betroffenen kontinuierlich untergraben werden.

Widerstand: Schmähpreis und Netzwerk von Glencore Xstrata Watchdogs

Das gesamte Ausmass der bekannt gewordenen Umwelt- und Menschenrechtsverstösse hat die deutsche Stiftung ethecon veranlasst, im letzten Herbst dem leitenden Manager von Glencore Ivan Glasenberg, dem Verwaltungsratspräsidenten Simon Murray, Tony Hayward aus dem Komitee für Umwelt, Gesundheit und Sicherheit sowie den Grossaktionären von Glencore den Schmähpreis „Internationaler ethecon Black Planet Award 2012“ zu verleihen. ethecon wird den Schmähpreis an der heutigen Generalversammlung an die Verantwortlichen des fusionierten Konzerns übergeben.

Missachtungen von Menschenrechten und Umweltstandards scheinen System zu haben und sind in Tätigkeitsgebieten beider Konzerne eingehend dokumentiert worden. Um diese Systematik aufzuzeigen, hat ein Kollektiv von verschiedenen NGOs das „Shadow Network – Glencore Xstrata Watchdogs“ gegründet. In diesem Netzwerk vereint sind VertreterInnen von NGOs aus Argentinien, Bolivien, Kolumbien, Peru, den Philippinen sowie aus Europa*.

Forderung nach Verpflichtung zu internationalen Standards und transparentem Reporting

Das „Shadow Network – Glencore Xstrata Watchdogs“, ethecon – Stiftung Ethik & Ökonomie, die Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien und MultiWatch fordern, dass der fusionierte Konzern unter der Leitung des ehemaligen Glencore CEOs Ivan Glasenberg die Probleme in den Abbaugebieten aktiv angeht und nicht hinter die Standards zurücktritt, die Xstrata zumindest auf dem Papier als Konzernpolitik verkauft hat. So hat Xstrata im letzten Jahr die „Voluntary Principles on Security and Human Rights“ unterzeichnet. Wir erwarten, dass auch der fusionierte Konzern den Antrag auf die Mitgliedschaft stellt und sich diesen Prinzipien verpflichtet. Dies beinhaltet die Entwicklung einer umfassenden Politik der Sorgfaltspflicht und dazugehörige Risikomanagementpläne sowie ein ausführliches Reporting über die Sorgfaltspflicht, über Menschenrechte und Community Relations sowie über Umweltschutzmassnahmen. Wir fordern volle Transparenz in den Zahlungsflüssen in einzelnen Projekten und zusätzlich in der Handelstätigkeit, wie es auch die von der EU überarbeiteten „Accounting and Transparency Directives“ verlangen.

Bern, 16. Mai 2013


*Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien (Schweiz), BeBe Bienaventurado los Pobres (Argentinien), Broederlik Delen (Belgien), CADEP Centro Andino de Educación y Promoción (Peru), CBC Centro Bartolomé de las Casas (Peru), CEPA Centro de Ecología y Pueblos Andinos (Bolivien), CDH Centro para el Desarrollo Humano (Peru), CooperAcción (Peru), Derechos Humanos Sin Frontera (Peru), Multiwatch (Schweiz), Pensamiento y Acción Social (Kolumbien), Red Muqui (Peru), Tierra Digna (Kolumbien)

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