El Cerrejón Kolumbien

El Cerrejon Mine
Über zehn Jahre betrieb Glencore Teile der Kohlemine El Cerrejón im Norden Kolumbiens. Die kommerzielle Ausbeutung der Kohlevorkommen im Departement Guajira begann in den 70er Jahren. Dazu wurde der Staatsbetrieb Carbocol gegründet, der den Kohleabbau gemeinsam mit Intercor (Tochter von ExxonMobile) in Angriff nahm. 1995 übernahm Glencore Teile der Mine im Zentralen Sektor, 2002 verkaufte der Staat und ExxonMobile ihren Anteil. Ab 2002 besass Glencore, BHP Billiton und Anglo American je einen 33%-Anteil an der nun vereinigten Mine Carbones del Cerrejón. Glencore verkaufte seinen Anteil im März 2006 zu einem viel zu geringen Preis an Xstrata, an der Glencore damals mit knapp 35% als grösster Aktionär beteiligt war. Anlässlich der Fusion dieser beiden Konzerne ist im Mai 2013 der Anteil von Xstrata in Glencore Xstrata plc., heute Glencore plc, übergegangen.

Gewaltsame Vertreibungen und unkorrekter Umsiedlungsprozess

Wegen der Kohlenmine El Cerrejón haben die Indigenen des Volkes der Wayúu einen beträchtlichen Teil ihres Territoriums verloren oder dieses wurde durch Strassen und die Eisenbahn zerstückelt. Die Indigenen wurden weder konsultiert, noch erhielten sie faire Entschädigungen.
Das Dorf Tabaco, das der Mine im Wege stand, wurde im Jahr 2001 rechtsmissbräuchlich enteignet, die letzten ausharrenden BewohnerInnen mit Armee und Polizei aus ihren Häusern vertrieben und diese am selben Tag mit Bulldozern platt gewalzt. Auf die Rekurse der BewohnerInnen wurde nicht eingegangen.
Die Gemeinschaft Roche steht seit 1997 in „Verhandlungen“ mit El Cerrejón. Damals wurde jedoch nicht wie heute über eine kollektive Umsiedlung verhandelt, sondern einzeln der Verkauf von Haus und Habe ausgehandelt. Viele AnwohnerInnen haben unter grossem Druck und mangels ökonomischer Alternativen billig verkauft und sind weggezogen. Andere liessen ihre Häuser zurück und zogen auf der Suche nach Arbeit und Bildungsmöglichkeiten für die Kinder in umliegende grössere Dörfer, ohne ihren Besitz jedoch zu verkaufen.
2007 wurden in Australien und in der Schweiz Klagen gegen BHP Billiton und Xstrata wegen Verstössen gegen die OECD Leitsätze für multinationale Firmen eingereicht und ein Ende der Aushungerungsstrategie, Verhandlungen über kollektive Umsiedlungen und ein einziger Verhandlungstisch für alle fünf umzusiedelnden Gemeinschaften (Patilla, Roche, Chancleta, Casitas und Tamaquitos) gefordert. Das OECD-Verfahren endete, ohne dass die Forderungen aufgenommen worden wären. Stattdessen setzte Cerrejón eine unabhängige Expertenkommission ein, die seine Sozialpolitik evaluieren und Empfehlungen machen sollte. Eine neue Etappe von Verhandlung begann, jedoch ebenfalls mit mannigfachen Problemen: Cerrejón verhandelte mit jeder der fünf Dorfgemeinschaften in Umsiedlungsprozessen separat, mit anderen Agenden und Angeboten, was Misstrauen säte und die Gemeinschaften spaltete.
El Cerrejón investierte einiges in den Bau eines neuen Roche, hingegen ohne Beratung und Einbezug der Betroffenen. Das neue Roche verfügt über zu wenig Landwirtschaftsland und die Häuser entsprechen nicht den Vorstellungen der zukünftigen Bewohner. Im Dezember 2010 begann El Cerrejón mittels finanziellen Anreizen die BewohnerInnen von Roche in das neue Dorf umzusiedeln, was 17 der 25 Familien auch taten. Viele dieser Familien möchten heute wieder ins alte Roche zurück, da etliche Projekte im neuen Dorf nicht funktionieren. El Cerrejón hat jedoch den acht verbliebenen Familien im alten Roche am 27. August 2013 die definitive Enteignung angedroht. Aufgrund eines Verfahrensfehlers wird dieser Termin nun noch herausgeschoben und ein letzter Rest Hoffnung auf eine Einigung darf bestehen bleiben.
Brisant an diesen illegalen Vertreibungen und unfairen Entschädigungen ist die Tatsache, dass Carbones del Cerrejón S.A. lokale Armeeeinheiten zumindest mit Naturalien und Logistik unterstützte, obwohl diese Armeeeinheiten eine erschreckende Menschenrechtsbilanz vorweisen. Es gibt Aussagen, wonach sich Paramilitärs um oder in der Mine aufhielten oder gar trainierten. Bei den Räumungen der Dörfer waren bewaffnete Zivilpersonen zugegen. Es ist davon auszugehen, dass das Massaker von Bahía Portete vom April 2004 im Zusammenhang mit den Ausbauplänen für den Kohlenhafen stand, da sich die Indigenen des Stammes Wayúu weigerten, ihr Land zu verlassen.

Arbeitskonflikt von Bedrohungen begleitet

Am 7. Februar 2013 beschloss die Gewerkschaft Sintracarbón erstmals seit 22 Jahren in Streik zu treten. Dies nachdem El Cerrejón während zwei Monaten Verhandlung nicht auf die Forderung der Gewerkschaft nach besserem Gesundheitsschutz, mehr Investitionen in den Umweltschutz und einer Lohnerhöhung von sieben Prozent eingegangen ist. Insbesondere forderte die Gewerkschaft, dass die Lohnerhöhung auch auf die 5000 Angestellten von Subunternehmen angewendet werden sollte. Während den Verhandlungen wurden der Präsident von Sintracarbón, Igor Díaz López, und ihr Verhandlungsführer, Aldo Raúl Amaya Daza, mehrmals über ihr Handy bedroht. Ausserdem hielten sich bewaffnete Personen in der Nähe ihrer Wohnhäuser auf. Anfangs März 2013 ist es nach genau einem Monat Streik trotzdem gelungen, einen neuen Gesamtarbeitsvertrag zu unterzeichnen.
Bereits 2009 war das Problem arbeitsbedingter Erkrankungen Thema der Gesamtarbeitsverhandlungen von Sintracarbón mit El Cerrejón. Die rund 300 betroffenen Minenarbeiter mussten mangels Behandlungszentren vor Ort weite Reisen auf sich nehmen, diese zu entschädigen das Unternehmen sich weigerte. Vielmehr verhandelte El Cerrejón mit den Betroffenen Abgangsentschädigungen aus, um sich so des Problems zu entledigen. Ebenso führte 2009 die Verhinderung der gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter von Subunternehmen zu Konflikten: Der neu gegründeten Gewerkschaft Sintrans war es gelungen, rund 80 Prozent der Chauffeure des Transportunternehmens Sotrans zu organisieren. El Cerrejón weigerte sich jedoch, über den Forderungskatalog der Gewerkschaft zu verhandeln, entliess zwei Gewerkschafter und verlängerte die befristeten Arbeitsverträge der organisierten Arbeiter nicht mehr. Ähnlich lief es mit der Gewerkschaft Sintrachaneme des Unternehmens Chaneme Comercial. Die meisten der organisierten Arbeiter gaben dem Druck des Unternehmens nach und verliessen die Gewerkschaft, sodass Sintrachaneme zur Minderheitsgewerkschaft wurde und keinen GAV mehr unterzeichnen konnte. Damals klafften die Arbeitsbedingungen der über Subunternehmen Angestellten im Vergleich zu den bei El Cerrejón fest Angestellten weit auseinander. Daran hat sich bis heute wenig geändert.
News zu El Cerrejón
5.9.2017: Streik in der Guajira wegen Bergbau
31.8.2017: El Cerrejón: Gewerkschaft beklagt sich über Zunahme an Unfällen
15.5.2017: Trauriger Geburtstag: 15 Jahre nach der gewaltsamen Räumung von Tabaco
28.4.2017: Glencore: Was die Versprechen des CEO's taugen
17.4.2017: Gerichtsenscheid: Bruno-Fluss darf von EL Cerrejón nicht umgeleitet werden
6.2.2017: Kolumbien: Wayúu blockieren die Zuglinie von El Cerrejón
29.12.2016: Tamaquito schliesst Verhandlungen mit Cerrejón erfolgreich ab
1.12.2016: Verfassungsgericht fordert Cerrejón auf, die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung zu garantieren
31.8.2016: Glencore und die Gemeinschaften: wenn die Meinungen auseinandergehen
27.7.2016: Indigene Kinder in Kolumbien sterben an Hunger
23.5.2016: Cerrejón: Lizenz für Abbau im Brunofluss entzogen
2.6.2016: Bevölkerung der Guajira mobilisiert gegen Umleitung des Flusses Bruno durch Cerrejón
15.4.2016: El Cerrejón: 27 Flüsse ausgetrocknet wegen Minentätigkeit
30.3.2016: Glencore CEO Ivan Glasenberg hält Versprechen gegenüber kolumbianischen Gemeinschaften nicht ein
26.2.2016: Gewaltsame Enteignung in Roche, Rückkehr von umgesiedelten Familien an die Ursprungsorte
13.8.2015: El Cerrejón: Die Umweltzerstörung geht weiter...
25.11.2014: Kolumbien: Neue Drohungen gegen Gewerkschaftsführer von Sintracarbón
20.11.2014: El Cerrejón: Stoppt gewaltsame Vertreibung durch schmutzige Kohle
30.8.2014: Arbeiter von El Cerrejón bedroht
13.8.2014: Kolumbien: Streik von Sintramine nach einem Monat aufgehoben
31.7.2014: Ausnahmezustand rund um Cerrejón wegen Trockenheit
3.7.2014: Tamaquito – eine Vorzeigeumsiedlung droht zu scheitern
10.6.2014: Massenentlassung bei Cerrejón
9.5.2014: Todesdrohungen gegen 15-jährige Wayuu
5.11.2013: Nach 15 Jahren: Endlich eine Einigung zwischen Cerrejón und den verbleibenden EinwohnerInnen von Roche
23.10.2013: Kolumbien: Protest der Indigenen gegen El Cerrejón
30.9.2013: El Cerrejón: Arbeiter wehren sich gegen ungerechtfertigte Entlassungen
4.9.2013: Glencore Xstrata Kolumbien: Roche droht die Enteignung
8.3.2013: El Cerrejón: Streik beendet
14.2.2013:Xstrata Kolumbien: Streik der Minenarbeiter von El Cerrejón
30.1.2013: Gewerkschafter bei Arbeitskampf mit El Cerrejón (Xstrata) bedroht
22.11.2012: Soziale Altlasten Cerrejón durch unfreiwillige Umsiedlungen
15.11.2012: Umleitung des Ranchería – Flusses vorerst gestoppt: Cerrejón hat ihr wichtigstes Expansionsprojekt aufgeschoben
4.7.2012: Cerrejón: Massiver Widerstand gegen Flussumleitung
1.5.2012: Aktivisten protestieren vor Generalversammlung von Xstrata
27.4.2012: Anlässlich der Xstrata-GV in Zug wollen peruanische und kolumbianische Betroffene und Schweizer NGOs gegen Umweltverschmutzung und Menschenrechtsverletzungen protestieren
11.4.2012: Schweizer Bergbau in Kolumbien. Klare Profite - Diffuse Verantwortung...
4.4.2012: Kolumbianische Bergbaubetroffene suchen in der Schweiz nach Unterstützung für ihre Anliegen
14.3.2012: Dringender Appell an die Kohlemine El Cerrejón (Xstrata, PHB Billiton, anglo American) - Drohende Enteignung im Dorf Roche
29.8.2011: Xstrata expandiert in El Cerrejón
24.02.2011: Lösung des Arbeitskonflikts in der Kohlemine El Cerrejón
26.01.2011: Arbeitskonflikt bei der Kohlemine El Cerrejón (Kolumbien): Verhandlungen gescheitert, Streik droht
17.10.2010: Kolumbianischer Gemeindevertreter bedroht
07.01.2009: Arbeitskonflikte bei Glencore's Carbones del Cerrejón
02.02.2009: Kolumbianische Gewerkschafter mit Positive Award ausgezeichnet
10.03.2008: Shareholder der Cerejon-Minen in Kolumbien begrüssen Social Review

Dokumentation zu El Cerrejón

Bei MultiWatch auf Spanisch und Englisch erhältlich, solange Vorrat:

Chomsky, A., Leech, G., & Striffler, S. (2007). Bajo el manto del carbón. Pueblos y multinacionales en las minas de El Cerrejón, Colombia. Bogotá: CEPEC.

Videos: