Tintaya Peru

Bereits im Jahr 1917 führte die Firma Andes Exploration of Mine in der Provinz Espinar in Peru die ersten Bohrungen durch. Tintaya S.A. wurde 1980 gegründet und 1985 der Abbau im Tagebau aufgenommen. Ab 2006 war Tintaya S.A. in den Händen des Schweizer Konzerns Xstrata, der im Mai 2013 mit Glencore in Glencore Xstrata plc. fusionierte und sich im Mai 2014 in Glencore plc umbenannte.
Abgebaut wird in der Tintaya-Mine Kupferkonzentrat, Kupferkathoden und Gold. Die Tintaya-Mine umfasst ein Gebiet von 5'000 ha, insgesamt verfügt Glencore in der Provinz Espinar über eine konzessionierte Fläche von 111'000 ha. Nach einer bald 30-jährigen Ausbeutung ist die Tintaya-Mine allmählich erschöpft. Daher ist die Produktion bereits 2013 heruntergefahren worden, eine definitive Schliessung erfolgt 2014. Glencore verfügt hingegen in der Zone über ein grosses Expansionsprojekt: Antapaccay (Erweiterung von Tintaya). Antapaccay hat im November 2012 die Produktion aufgenommen.

Angespannte Situation in der Gemeinde Espinar

Bei der Übernahme der Mine Tintaya hat sich das ehemalige Xstrata schriftlich zu dem 2003 zwischen Konzern und lokaler Bevölkerung geschlossenen Rahmenvertrag "Convenio Marco" bekannt. Xstrata verpflichtete sich dazu, jährlich unabhängige Umweltstudien in Espinar zuzulassen und diese Resultate öffentlich zu machen.
Anstatt die im „Convenio Marco“ enthaltenen Vereinbarungen umzusetzen, hat Xstrata jedoch eine eigene Stiftung gegründet und damit begonnen, in Espinar so genannte „Entwicklungsprojekte“ umzusetzen. Dadurch hat Xstrata über die Jahre eine assistentialistische und parastaatliche Struktur geschaffen. Da die Dorfgemeinschaften um das Abbaugebiet Tintaya und das zukünftige Operationsfeld Antapaccay überproportional mehr „Entwicklungsleistungen“ als die restlichen Dorfgemeinschaften der Provinz erhielten, provozierten die Investitionen aus dem Bergbau soziale Spannungen und schufen neue Konfliktherde.

Weiter hat die Unternehmensspitze nicht auf die Forderung der sozialen Basisorganisationen und Behörden in Espinar nach Abklärung der Umweltverschmutzung durch unabhängige Stellen reagiert. Nach dem Amtsantritt des vorgängigen Bürgermeisters Oscar Mollohuanca haben Mitarbeiter/innen der Provinzregierung und das Menschenrechtsbüro der Diözese von Sicuani neben der Dokumentation von wiederholt auftretenden Fehlgeburten und Missbildungen von Tieren auch Wasser und Bodenproben entnommen und ausgewertet. Die damit belegte Kontaminierung der Umwelt und Gesundheitsschädigung gaben den lokalen Behörden und sozialen Basisorganisationen die nötigen Grundlagen, um juristische Schritte gegen Xstrata einzuleiten. Am 24. November 2011 reichte der damalige Bürgermeister Oscar Mollohuanca Strafanzeige gegen Xstrata Tintaya wegen Umweltverschmutzung ein.

Die beharrliche Weigerung des Unternehmens, auf den Vorwurf der Umweltverschmutzung einzugehen und endlich Studien zu veranlassen, die die Ursache der Verschmutzung eindeutig feststellen, führte im Mai 2012 zur Mobilisierung der Bevölkerung von Espinar. Die Proteste wurden von der Polizei gewaltsam niedergeschlagen, es kam zu über 90 Verletzten und drei Todesopfern. Ausserdem wurden Protestierende auf dem Gelände von Xstrata Tintaya in einem improvisierten Gefangenenlager festgehalten und körperlichen wie auch psychischen Misshandlungen durch die Polizei ausgesetzt. Im Verlauf der gewaltvollen Proteste wurde der damalige Bürgermeister Oscar Mollohuanca zusammen mit anderen Bergbaukritiker/innen verhaftet und anschliessend mit unzähligen Anzeigen eingedeckt. Der oberste Staatsanwalt der Nation und der Präsident des Staatsanwaltsrates in Lima entschied entgegen dem Gesetz, dass die Gerichtsverfahren anstelle in Espinar in der mehr als 800km entfernten Küstenstadt Ica stattfinden sollen. Dieser Zuständigkeitswechsel stellt die Angeklagten angesichts ihrer wirtschaftlichen Situation und Verpflichtungen in Espinar vor erhebliche Schwierigkeiten. Im August 2013 beschuldigte die Staatsanwaltschaft im Voruntersuchungsverfahren den ehemaligen Bürgermeister und andere Führungspersonen von Espinar der Anstiftung zum Protest und die intellektuellen Autoren hinter den Protesten zu sein. Im schlimmsten Fall droht den Angeklagten bis zu 10 Jahre Haft. Das Verfahren ist Ende 2014 zumindest teilweise eingestellt worden.

Der Zuständigkeitswechsel in den juristischen Prozessen und das enttäuschende erste Ergebnis des nach den Unruhen 2012 geführten Dialogs zwischen Unternehmen, Behörden und Bevölkerung vermögen die soziale Unzufriedenheit in Espinar nicht zu besänftigen, sondern bieten im Gegenteil neuen Zündstoff. Massgeblich verstärkt wurde diese Stimmung Ende 2013, als das Gemeindebudget wegen ausgebliebener Steuerbeiträge aus dem Bergbau um über 90% gekürzt werden musste. Grund dafür war die laufende Schliessung der Mine Tintaya und die Inbetriebnahme von Antapaccay. Die verringerte Produktionsmenge und die juristische Möglichkeit, sämtliche in das neue Projekt Antapaccay investierten Gelder steuerlich abzuziehen führten zu den Steuerausfällen und damit zu neuen sozialen Spannungen: Wichtige Investitionen wie z.B. Arbeiten in den Bau von neuen Bewässerungsanlagen mussten aufgrund des gekürzten Gemeindebudgets bereits eingestellt werden. Bis zu 2000 Menschen verloren deswegen ihre Arbeitsstelle.
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4.4.2012: Untergrabene soziale Gerechtigkeit - Eine peruanische Andenprovinz klagt gegen den Schweizer Bergbaukonzern Xstrata
25.1.2012: Transportunternehmer blockieren Xstrata Tintaya
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15.6.2011: Protestbrief an die Konzernleitungen von Xstrata und Xstrata Copper

Dokumentation zu Tintaya

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