Mopani Sambia

Mopani Copper Mines in Kitwe (Sambia) wurde im April 2000 für 43 Mio. US–Dollar privatisiert, allerdings mit der Auflage, 159 Mio. US–Dollar zu investieren. Bis 2006 beliefen sich die Investitionen auf 506 Mio. US–Dollar, um die Produktion zu verdreifachen. Ab 2002 gehörten die Mopani Mines – vier unterirdische Minen, ein Mahlwerk und ein Kobaltwerk – sowie das Schmelzwerk in Mufulira zu 73% der Mehrheitsaktionärin Glencore, die schon seit 2000 Aktien der Mine besessen hatte. Im Mai 2013 sind Glencores Anteile in Glencore Xstrata plc. (heute Glencore plc) übergegangen. Mopani Mines ist heute der größte Arbeitgeber im sogenannten Kupfergürtel und beschäftigt rund 16.000 Menschen. Sie gilt als der gewinnträchtigste Bergbaubetrieb in der Region.

Vertreibungen

Nach der Entkolonialisierung ging unter der Regierung Kunda das meiste Land in Staatsbesitz über, auch die Minen. Viele Bauern siedelten auf Land, das ihnen nicht gehörte, und hatten somit keine Rechtssicherheit. Anfang der 90er Jahre wurden nicht nur die Minen privatisiert, sondern auch grosse Landflächen an private Investoren übergeben, obwohl es auf diesem Land rechtmässige und „illegale“ Siedler gab. Dies traf auch auf das Land zu, das zur Mopani Kupfermine von Glencore plc gehört. Die dort ansässigen teilweise langjährigen informellen Bauernsiedlungen wurden von der ehemaligen Glencore vertrieben. 2001 wurde dagegen von fünf NGOs (EvB (CH), Sherpa (F), Mining Watch (CA), L'Endraide Missionaire (CA) und CTPD (ZA)) beim kanadischen Nationalen Kontaktpunkt wegen Verletzung der OECD Guidelines eine Klage eingereicht. Bei den Verhandlungen versprachen die ehemalige Glencore und die kanadische First Quantum, keine weiteren Vertreibungen mehr durchzuführen, sondern zusammen mit den Behörden und lokalen NGOs für die betroffenen informellen SiedlerInnen legale Siedlungsmöglichkeiten zu suchen. Dieser Fall galt seit 2002 als ein Musterbeispiel, wie die OECD Guidelines funktionieren sollten. Alle diese Vereinbarungen wurden von Mopani Mines jedoch gebrochen. So kam es beispielsweise 2006 zu neuen Vertreibungen von SiedlerInnen, um eine Mine wieder zu eröffnen. Entgegen den Zusicherungen im OECD-Verfahren wurden die Betroffenen weder konsultiert, noch wurden ihnen Alternativen zur Neuansiedlung angeboten. Im Oktober 2014 mussten sich fünf AnwohnerInnen vor Gericht verantworten wegen unbefugten Betretens eines Glencore-Geländes. Die AnwohnerInnen bestehen jedoch darauf, dass das Land ihnen gehört.

Umweltbelastungen

Neben den illegalen Vertreibungen sind die enormen Umweltbelastungen rund um die Mopani Mine ein grosses Problem. Die Mine „entsorgt“ ihre Abfälle in einer offenen Mülldeponie direkt neben dem Dorf. Abwasser wird über eine undichte Pipeline durch bewohntes Gebiet transportiert, aus nur mit losen Deckeln gesicherten, riesigen Kupferbecken steigt der Geruch nach Säure und Schwefel. Ein Grossteil der Menschen, die permanent in diesem Gebiet leben, leidet unter starken Hautirritationen, beeinträchtigtem Sehvermögen, Bronchitis, Verdauungsproblemen und Missbildungen. Geistig behinderte Kinder sind im Einzugsgebiet der Mine besonders häufig. In den Gemeinschaften Butondo und Kankoyo ist die Situation besonders prekär. In diesen Gebieten ist es nicht mehr möglich, Landwirtschaft zu betreiben, da der Boden und das Wasser zu verseucht sind. Verbunden mit dem Kauf der Minen und des Schmelzwerkes hätte die ehemalige Glencore umfangreiche Umweltauflagen erfüllen sollen, z.B. eine 20%-Reduktion der Emissionen. Gemäss einem Inspektionsbericht der sambischen Umweltbehörde ZEMA (Zambian Environmental Management Agency) hat der Glencore-Betrieb in der Vergangenheit die Emissionsgrenzwerte massiv überschritten. Im ersten Halbjahr 2013 lag der Schwefeldioxid (SO2)-Ausstoss des Werks bis zu 219-mal über der behördlichen Limite von 1000 Milligramm pro Normkubikmeter. Bei Schwermetallen wie Kupfer oder Blei wurden die Grenzwerte gar bis zum 700-fachen überschritten. Nach einem Leck in der Schwefelsäurefabrik des Betriebs starb ein Anwohner. Zudem muss sich der Glencore-Betrieb jetzt vor Gericht wegen dem Tod der Politikerin Beatrice Mithi verantworten. Mithis Angehörige werfen Glencore Fahrlässigkeit vor. Zu den Prozessakten gehört ein Obduktionsbericht, der zum Schluss kommt, Beatrice Mithi sei an einem akuten Atemversagen gestorben, ausgelöst durch «Einatmen giftiger Dämpfe».

Steuerhinterziehung

Schliesslich wird Mopani Copper Mines der massiven Steuerhinterziehung verdächtigt. Dieser Verdacht entstand aufgrund eines im Jahre 2010 fertiggestellten Gutachtens, das von den sambischen Steuerbehörden und dem Finanzamt in Auftrag gegeben worden war. Gemäss diesem Gutachten befördert Mopani Copper Mines Gewinne mit Hilfe von Derivatgeschäften ins Ausland, um die Steuerbilanz in Sambia zu minimieren. Würden in Sambia dieselben Kupferpreise wie in der Schweiz bezahlt, so handelte es sich bei den umgangenen Steuern um das Doppelte von Sambias Bruttoinlandprodukt (rund 29 Milliarden US-Dollar).
Anlässlich dieses Gutachtens gab im Mai 2011 die Europäische Investitionsbank (EIB) bekannt, dass gegen die Mopani Copper Mines eine Untersuchung laufe. Im Februar 2005 hatte die EIB der Mopani Copper Mines ein Darlehen über 48 Millionen Euro gewährt. Damit sollte eine Kupferhütte modernisiert werden, was helfen sollte, die sambische Wirtschaft zu stimulieren und die Armut zu reduzieren. Im April 2014 fordern verschiedene NGO's - darunter Alliance Sud, die Erklärung von Bern, Christian Aid, Oxfam und das europäische NGO-Netzwerk Eurodad - die Europäische Investitionsbank in einem offenen Brief auf, sie soll ihre Untersuchungen zu den Steueroptimierungspraktiken der Mopani Copper Mines öffentlich machen.
News zur Kupfermine Mopani
7.9.2017: Die Drohung des Schweizer Multis
26.8.2017: Sambia: Glencore droht 4700 Arbeiter wegen höheren Strompreisen zu entlassen
4.11.2016: Sambia: Schon wieder Unfall in Glencores Mopani Mine
15.9.2016: Gericht in Sambia verurteilt Glencore-Kupferwerk
8.8.2016: Sambia: Vier Minenarbeiter sterben in zwei verschiedenen Unfällen in Glencore-Minen
11.2.2015: Glencore in Sambia: Die Fortsetzung einer bedrückenden Geschichte
25.11.2015: Sambia: Glencore entlässt 4300 Arbeiter
15.9.2015: Glencore-Tochter will 4300 Jobs streichen
4.3.2015: Sambias Kupfer-Exporte – und die Rolle der Schweiz
29.10.2014: Mopani: Fünf AnwohnerInnen wegen unbefugten Betretens vor Gericht
23.10.2014: Asthma-Tote in Sambia: Angehörige ziehen Glencore vor Gericht
17.10.2014: Mopani verbietet lokale Sprachen in seinen Bergwerken
28.8.2014: Sambia: Kravalle in Glencores Kupfermine
23.5.2014: Mopani-Mine in Sambia: Zwei Arbeiter verletzt
3.4.2014: Glencore Xstrata: Steueroptimierung in Sambia
4.12.2013: Glencore Xstrata-Tochter Mopani in Sambia: Lohnerhöhung unter den Erwartungen der Arbeiter
5.12.2012: Afrika - der ausgeraubte Kontinent. Wie viel Profit ist noch gerecht?
11.10.2012: Glencores Antwort auf den Film zum Kupferabbau in Sambia
7.3.2012: Sambia legt einen Teil einer Glencore-Kupfermine still
18.5.2011: Börsengang: Glencore macht ein paar Milliardäre und hält dafür Millionen in Armut
12.4.2011: OECD-Beschwerde gegen Glencores Steuerpraktiken
18.02.2011: Glencores Tocherfirma umgeht Steuerzahlungen in Sambia
21.04.2008: Lebensbedingungen um Glencore-Kupferminen in Sambia bedenklich

Dokumentation zu Mopani