Tampakan Philippinen

Tampakan Mine Philippinen
Das Tampakan-Projekt ist im Süden der philippinischen Provinz Mindanao zwischen den Städten Tampakan, South Cotabato und Kiblawan angesiedelt und soll auf der Fläche von 10'000 Hektaren eines der grössten Kupfer- und Goldvorkommen der Welt erschliessen. Schätzungen nach sollen jährlich 375'000 Tonnen Kupfer und 360'000 Unzen Gold über einen Zeitraum von 17 Jahren abgebaut werden. Das von der Mine potenziell betroffene Gebiet ist hauptsächlich von indigenen Gruppen, die der Gemeinschaft der B'laan angehören, besiedelt. Wenn die Mine in die Operationsphase übergeht, müssten rund 5000 BewohnerInnen der Gegend umgesiedelt werden.

Erste Aktivitäten des Tampakan-Projekts begannen bereits in den 1990er Jahren durch die philippinische Tochterfirma des australischen Konzerns Western Mining Corporations. In den 2000er Jahren übernahm die philippinische Firma Sagittarius Mines Inc. (SMI) das Tampakan-Projekt. Ab 2006 hielten Xstrata plc. über die australische Tochter Xstrata Copper und die australische Firma Indophil Ressources NL kontrollierende Anteile an SMI. Da bereits Xstrata Copper die Managementkontrolle über das Projekt hatte, liegt heute die Führung bei Glencore plc.
Geplant war ursprünglich, im Jahr 2014 mit dem Abbau zu beginnen. Hingegen liegt die Mine in einem politisch sehr brisanten Gebiet, das von muslimischen Separatisten beherrscht wird. Die Mine wurde bereits von der bewaffneten Gruppe NPA (National People's Army) überfallen. Diese wollten sich dagegen wehren, dass ihre Umwelt durch Minenaktivitäten zerstört wird und die Bodenschätze des Landes an ausländische Firmen verhökert werden. Der Abbaubeginn wurde jedoch nicht nur deswegen hinausgezögert. Nebst dem, dass auch die lokale Bevölkerung und kirchliche Organisationen wie z.B. die Diözese von Marbel sich wegen den anstehenden Vertreibungen und Umweltzerstörungen gegen das Projekt aussprachen, verhängte die Lokalregierung von South Cotabato im Jahre 2010 ein Verbot für Bergbau im Tagebau. Aus diesem Grund wurde SMI im Dezember 2011 das für den Abbau notwendige "Environmental Compliance Certificate" (ECC) nicht erteilt. Seither ist das Projekt blockiert. Anfangs 2013 hat Glencore Xstrata beschlossen, das Projekt umfassend zu redimensionieren. 85% der Arbeitsplätze (d.h. rund 1000 Jobs) hat SMI gestrichen und einen grossen Anteil an Baumaschinen und Ausrüstung verkauft. Anfangs Februar 2014 gab der ebenfalls am Tampakan-Projekt beteiligte australische Konzern Indophil Resources NL bekannt, dass Glencore Xstrata seinen Anteil veräussern wolle.

Militarisierung des Bergbaugebiets rund um das Tampakan Projekt

Als Antwort auf die Angriffe der islamistischen Separatisten auf das Bergbauprojekt militarisierte die philippinische Regierung die Gegend rund um die Minen, um diese zu schützen. Ausserdem wurden in der ansässigen Bevölkerung Personen für den Minenschutz rekrutiert. Diese Menschen sollten zu Paramilitärs ausgebildet und entsprechend bewaffnet werden. Die militärische Präsenz um diese Minen herum führte immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen an der dort lebenden Bevölkerung. Bereits 2003 stellte der UNO-Sonderberichterstatter für indigene Bevölkerungsgruppen fest, dass die zunehmende Militarisierung indigener Regionen zu vermehrten Menschenrechtsverletzungen führte. Immer wieder kam es zur Ermordung von Bergbauaktivisten durch das Militär. So starben beispielsweise am 18. Oktober 2012 die Ehefrau Juvy des gesuchten Daguel Capion und dessen Söhne Pop (13) und John (8) und am 23. August 2013 der Fulong Anting Freay (60) und sein Sohn Victor (16), als das Militär ihr Haus mit einem Kugelhagel eindeckte.

Lokaler und internationaler Widerstand gegen das Tampakan Projekt

In den letzten Jahren hat sich ein breiter Widerstand gegen das Tampakan-Projekt gebildet, u.a. angeführt von Bischhöfen der Diözese Marbel. Es wurden mehrere Unterschriftensammlungen lanciert, die auf breites Interesse stiessen. Es kam zu mehrtägigen Protestmärschen vor das SMI-Büro und Mobilisierungen von Indigenen vor dem Xstrata-Sitz in Manila.
Paralell zu dieser zunehmenden Mobilisierung der lokalen Bevölkerung hat das Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) der Universität Duisburg im Auftrag von Misereor, Fastenopfer und Brot für Alle im Jahre 2012 ein Human Right Impact Assessment (HRIA) durchgeführt. Darin untersucht wurden sowohl die bereits entstandenen, wie auch potenziell zukünftige Auswirkungen des Minenprojekts auf die Menschenrechtslage der Bevölkerung. Die Ergebnisse des HRIA wurden im Frühjahr 2013 veröffentlicht. Die Studie kommt zum Schluss, dass bestehende Missstände wie z.B. fehlende Partizipationsmöglichkeiten der Bevölkerung, unzureichende Rechtswege und Beschwerdemechanismen oder die Militarisierung des Bergbaugebiets nicht nur bereits zu gravierenden Menschenrechtsverletzungen geführt haben, sondern auch ein grosses Risiko für zukünftige Menschenrechtverletzungen besteht.
News zu Tampakan
25.6.2015: Glencore verkauft Anteil an Tampakan-Projekt
8.5.2014: Tampakan: Antworten der Konzerne auf das HRIA
1.2.2014: Rückzug aus Tampakan?
18.10.2013: Tampakan: Bisher keine Gerechtigkeit für ermordete Familie
28.8.2013: Zwei weitere Todesopfer in Tampakan
16.8.2013. Widerstand in Tampakan: Glencore-Xstrata bremst Minenprojekt
13.6.2013: Xstrata-Mine gefährdet Menschenrechte auf den Philippinen
7.2.2013: Xstrata-Mine: Todesspirale dreht sich weiter
6.12.2012: Xstrata Philippinen: Proteste der Indigenen aus Mindanao vor dem Hauptsitz in Manila
18.10.2012: Xstrata Philippinen: Frau und 2 Söhne eines Minengegners von Armee umgebracht
4.4.2012: Konflikt um Bergbauprojekt auf den Philippinen droht zu eskalieren
16.2.2012: Xstrata hat Entscheid der Lokalregierung von South Cotabato angefochten
16.11.2011: Protestmarsch gegen Sagittarius Mines (Inc.) im Dezember
13.10.2011: Tampakan: Mehr als 100 000 Unterschriften gegen den Bergbau
7.7.2010:Tampakan-Bergbauprojekt gefährdet
29.6.2009: Xstrata führt zweite Machbarkeitsstudie auf Philippinen durch
6.4.2009: Tampakan-Mine in Philippinen weiter umstritten
20.3.2009: Erneut Anti-Minen-Aktivist auf Philippinen ermordet
16.2.2009: Bergbau auf Philippinen gefährdet Nahrungsmittelproduktion
30.12.2008: Philippinischer Anti-Minen-Aktivist ermordet
19.5.2008: DorfbewohnerInnen sollen Xstrata-Mine schützen