Soziale Konflikte

Die sozialen Konflikte, die rund um die Bergwerke der beiden Konzerne Glencore und Xstrata existierten, sind auch nach der Fusion und trotz neu formuliertem Verhaltenskodex ungelöst. Sie lassen sich grob in folgende Bereiche einteilen:

Zwangsumsiedlungen und fehlender Einbezug der lokalen Bevölkerung

Die Minenprojekte im Tagebau gehen mit einem enormen Landbedarf einher. Zahlreiche Landwirtschaftsbetriebe und kleine Dörfer müssen den Minen weichen. Sofern keine expliziten Gesetze und Vorschriften für unfreiwillige Umsiedlungen existieren, gelten die Mindeststandards der Weltbank: Umsiedlungen sollten durch sorgfältige Projektplanung möglichst vermieden werden. Sind sie nötig, so muss das Unternehmen in einem frühen Projektstadium einen Umsiedlungsplan vorlegen und die betroffenen Gemeinschaften einbeziehen (consulta previa/ free prior and informed consent/ Entscheidungsfindung auf der Basis der vorangehenden und freien Informierung der Bevölkerung).
Glencore futierte sich offensichtlich um diese Richtlinien. Oftmals wurden die Betroffenen mit viel zu tiefen Barbeträgen abgespeist und dann ihrem Schicksal überlassen. Nicht selten waren die Betroffenen mit diesen Beträgen einverstanden, weil sie von kriminellen Banden erpresst oder von Anwälten überlistet wurden. Mit der Verzögerungstaktik erreichte das Unternehmen, dass die Widerstandskraft der Betroffenen gebrochen wurde und sie das Dorf bzw. das Land ohne Entschädigung und Alternative verliessen. Sollten dennoch Dorfbewohner/innen und Landbesitzer/innen ausharren, so scheute der Konzern weder der Einsatz von Polizei und Militär, noch die Unterstützung paramilitärischer Organisationen.
Auch Xstrata umging trotz gegensätzlicher Absichtserklärungen immer wieder den adäquaten Einbezug betroffener Gemeinschaften. Entsprechend war etwa die vom Kupferabbau in Las Bambas (Peru) betroffene indigene Bevölkerung nie über die Vergabe einer Konzession für den Bergbau in ihrem Gebiet konsultiert worden. Treffen, die Xstrata mit der lokalen Bevölkerung organisierte, wurden nicht in der Sprache der Anwohner/innen abgehalten, wodurch Transparenz und Partizipation ein Lippenbekenntnis blieben.
Sowohl gegen Glencore (illegalen Vertreibungen bei der Mopani-Kupfermine in Sambia), wie auch gegen Xstrata (Zwangsenteignung und Zerstörung des Dorfes Tabaco in Kolumbien) wurden im Zusammenhang mit Zwangsumsiedlungen bereits Klagen wegen Verletzung der OECD-Guidelines eingereicht.

Kauf und Spaltung der lokalen Bevölkerung

Die einschneidenden Veränderungen, die der industrielle Bergbau in eine Region bringt, stösst verständlicherweise nicht nur auf Zustimmung bei der lokalen Bevölkerung. Sowohl Glencore, wie auch Xstrata waren sich bewusst, dass eine einstimmige Ablehnung ihrer Bergbauvorhaben durch die Anwohner/innen und Lokalpolitiker/innen zu einem ernsthaften Problem werden kann. Dem konnte nicht nur mit Kontaktpflege zu wichtigen Persönlichkeiten begegnet werden. Gezielte finanzielle Zuwendungen oder die Investition in sogenannte Entwicklungsprojekte halfen, die Unterstützung für den Bergbau in der Bevölkerung zu verankern. Dass diese einseitigen Zuwendungen zur Spaltung der Gemeinschaften führten, diente dem Vorhaben der beiden Konzerne, da durch den so entstandenen Konflikt die Widerstandskraft der Gemeinschaften untergraben werden konnte.

Präsenz in Konfliktgebieten

Verschiedene Minen des Konzerns Glencore International AG sind äusserst umstritten, weil sie in Konfliktgebieten liegen. So etwa das Tampakan-Kupfer-Projekt im philippinischen Mindanao. Die geplante Mine liegt zum einen in einem Nationalpark, zum andern in einem politisch brisanten Gebiet. Anfang 2008 wurden die bereits vorhandenen Mineninstallationen von der bewaffneten Gruppe NPA (National People's Army) angegriffen. Mit diesen Aktionen wehrte sich die NPA gegen die Umweltzerstörung, den Ausverkauf der natürlichen Ressourcen an ausländische Grosskonzerne sowie gegen die Vertreibung der Bevölkerung. In der Folge der Angriffe veranlassten die Behörden eine Militarisierung des Gebiets, ausserdem wurden in der ansässigen Bevölkerung Personen für den Minenschutz rekrutiert und bewaffnet und somit faktisch zu Paramilitärs ausgebildet. Die militärische Präsenz um das Minencamp hat seither immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen und sogar zu Todesopfern entlang der dort lebenden Bevölkerung führt.

Investitionen zur reinen Imagepolitur

Man sollte meinen, dass der Reichtum an Bodenschätzen, der die Grosskonzerne anlockt, einen Geldsegen für die lokal ansässigen Gemeinden bedeutet. Im Umfeld vieler Glencore International AG-Minen ist jedoch das Gegenteil beobachtbar: Die Menschen leben häufig in krasser Armut und es fehlt an jeglicher funktionierender Infrastruktur. Begleiterscheinungen des Bergbaus wie Lärm- und Staubbelastung, Risse in den Hausfassaden oder Prostitution gehören zum Alltag. Kleinmineure verlieren ihr Auskommen, weil sie vom industriellen Bergbau vertrieben werden. Lokale Arbeitskräfte erhalten oft keine Anstellung in der Mine, weil neue Arbeiter/innen ausserhalb der Region oder sogar ausserhalb des Landes rekrutiert werden. Im Gegensatz dazu stehen die Behauptungen sowohl der früheren Glencore, wie auch Xstratas, in umfassendem Masse in die Entwicklung der umliegenden Gemeinschaften zu investieren. Insbesondere Xstrata war bekannt für seine sogenannten „Entwicklungsprojekte“. In der Gemeinde Espinar in Peru beispielsweise gründete Xstrata eine eigene Stiftung, bei der 70 Mitarbeitende damit beschäftigt waren, „Entwicklungsprojekte“ wie der Bau von Schulen oder die Technifizierung der Landwirtschaft umzusetzen. Xstrata schien die mangelnde soziale Nachhaltigkeit dieser Projekte wenig zu kümmern: Weder behoben diese Projekte die Begleiterscheinungen des Bergbaus, noch waren die Investitionen sozial gerecht verteilt, noch konnte die lokale Bevölkerung darüber befinden, welche Investitionen getätigt wurden. Bei genauem Hinsehen stellte sich ausserdem heraus, dass viele dieser Projekte nur mangelhaft umgesetzt wurden. Was nützt eine moderne Milchverarbeitungsanlage, wenn sie nicht fachgerecht bedient wird und der hergestellte Käse verrottet?