El Aguilar Argentinien

El Aguilar S.A. ist das älteste Bergwerk Argentiniens. Nach der Konzessionierung im Jahre 1929 begann 1936 der Abbau von Blei, Zink und Silber. 1988 übernahm die Gruppe Minera S.A. die Kontrolle vom El Aguilar S.A.. 1995 kam AR Zinc S.A. dazu und wurde schliesslich 2005 als Ganzes von Glencore International AG (seit 2014 Glencore plc) übernommen. Die beiden wichtigsten Minen sind Aguilar und Esperanza. Das Zinkkonzentrat wird in einem Schmelzwerk von AR Zinc S.A. in der Provinz Santa Fe weiterverarbeitet, das Blei und Silber gelangt in das Schmelzwerk von El Aguilar S.A. in Palpalá (Provinz Jujuy). Das Untertagebaubergwerk befindet sich im Nordwesten Argentiniens in der Provinz Jujuy, etwas mehr als 100 km von der bolivianischen Grenze entfernt. Die Mine Aguilar liegt im Quellgebiet des Yacoraite-Flusses, der in den Rio Grande mündet. Der Rio Grande fliesst durch die als UNESCO-Welterbe deklarierte Humahuaca-Schlucht.
Das Unternehmen El Aguilar S.A. hält sich sehr bedeckt. Weder existiert eine funktionierende Website, noch können dem Jahresbericht von Glencore plc auf das Unternehmen bezogene Zahlen zur Grösse und Produktionsmenge entnommen werden.
Menschenrechtsverletzungen während der Militärdiktatur
Das Unternehmen El Aguilar S.A. erlangte im Juli 2012 internationale Aufmerksamkeit, weil während einem Jahr im Fall „Avelino Bazán und 43 weiteren Opfern“ verhandelt wurde. Am 3. Juli 2013 wurden drei ehemalige Staatsangestellte (zwei Mitglieder des Geheimdienstes und ein Strafvollzugsbeamter) zu Verwahrung bzw. lebenslanger Haft verurteilt. Das European Center for Constitutional und Human Rights (ECCHR) reichte am 19. Dezember 2012 ein amicus curiae im Fall „Avelino Bazán und Andere“ ein, um das Gericht aufzufordern, auch die Komplizenschaft des Unternehmens El Aguilar S.A. zu untersuchen.

Avelino Bazán war einfacher Arbeiter in der Mine Aguilar und wurde in den 70er Jahren zum Präsident der Gewerkschaft in El Aguilar S.A. gewählt. Die 60er und 70 er Jahre waren geprägt von heftigen Arbeitskämpfen und Streiks, da die Arbeiter die verheerenden Zustände hinsichtlich Arbeitssicherheit und Arbeitsrechte in EL Aguilar ans Licht bringen wollten. Avelino Bazán spielte bei diesen Arbeitskämpfen eine zentrale Rolle, zuerst als Gewerkschaftsführer und unter Perón als Arbeitsminister. Bazán verschwand vier Tage nach dem Staatsstreich vom 24. März 1976, der der peronistischen Regierung ein Ende setzte und die Militärdiktatur (1976-1983) einläutete. Während diesem Staatsstreich wurden viele Arbeiter der Aguilar Mine verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Die Rede ist von insgesamt 27 Arbeitern, die massiven Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt waren und einige von ihnen - wie Avelino Bazán - bis heute nicht mehr aufgetaucht sind.
Arbeitskonflikte seit der Übernahme durch Glencore im Jahre 2005
Seit Glencore 2005 das Unternehmen Minera Aguilar S.A. übernommen hat, hat das Thema der Arbeitssicherheit und Auslagerung an Drittfirmen in regelmässigen Abständen zu gewerkschaftlichen Protesten geführt:

  • 14.11.2005: Rund 2000 Arbeiter und ihre Familien rufen einen 48-stündigen Streik aus und blockieren den Eingang zur Mine Aguilar. Sie protestieren gegen die Praxis des CEO Fernando Pajuelo, Arbeiten auszulagern und an billige Arbeitskräfte aus Peru zu vergeben, die vorher von eigenen Angestellten erledigt wurden (Nestor Gorojovsky, 14.11.2005).
  • 8.4.2008: Streik von 48 Stunden und Demonstration der Arbeiter der Sektion Aguilar von der Gewerkschaft Asociación Obrera Minera Argentina (A.O.M.A.). Sie verlangen u.a. 35% höherer Lohn (Löhne liegen unter dem, was Temporärfirmen - z.T. auch peruanische - bezahlen) und wollen keine Terziärisierung (Jujuy als d10años, 8.4.2008)
  • 15.1.2010: Mit einem zweitägigen Streik und einer Strassenblockade fordern die Arbeiter von Aguilar Änderungen im Arbeitsregime. Sie sind 14 aufeinanderfolgende Tage während 10.5 Stunden pro Tag im Einsatz. Es folgen Verhandlungen, die jedoch zu keinem Ergebnis führen. Im April 2010 erfahren die Arbeiter, dass das Unternehmen am bisherigen Arbeitsregime festhält, da neue Arbeiter mit entsprechendem Arbeitsvertrag angestellt werden (RioNegroOnline,16.1.2010; ElLibertario.com, 30.4.2010).
  • 15.4.2012: Bei einem Lastwagenunfall kommen vier Arbeiter ums Leben. Daraufhin fordert die Gewerkschaft A.O.M.A. die Entlassung des Superintendents Miguel Vega und ein Terziärisierungsverbot. Die Gewerkschaft macht die Auslagerung von bestimmten Arbeiten an Drittfirmen für die massiven Sicherheitsmängel verantwortlich. Es handle sich oft um Kleinstfirmen, die den Sicherheitsstandards nicht entsprächen (JujuyalMomento.com, 10.5.2012).
Umweltverschmutzung
Die Aufmerksamkeit, die das Unternehmen El Aguilar S.A. durch das Gerichtsverfahren zur Militärdiktatur erlangt hat, haben 2012 der Staatsanwalt Antonio Gustavo Gómez, Wissenschaftler/innen der Universität Salta und Red Puna, ein Netzwerk von über 30 Organisationen von Bäuer/innen, Indigenen, Frauen etc., im Einzugsgebiet von El Aguilar und weitere Persönlichkeiten ausgenutzt, um eine im Jahre 2007 ad acta gelegte Klage wegen Umweltverschmutzung gegen El Aguilar S.A. wieder aufzurollen.
Bereits 1997 wurde in einer staatlich in Auftrag gegebenen Untersuchung im Yacoraite-Fluss und im Rio Grande eine Schwermetallbelastung festgestellt, die über den gesetzlich festgeschriebenen Werten lagen. Die 2007 von Staatsanwalt Gómez eingereichte Klage stützte sich auf Zeugenaussagen der Anwohner/innen und Untersuchungen der Biochemikerin María Graciela Bovi Mitre sowie dem Biologen Juan González. In firmeneigenen Studien von 2006 und im Nachhaltigkeitsbericht von Ende 2007 gestand sogar das Unternehmen ein, das Chemieabfälle in die Flüsse gelangt waren und zu hohe Schwermetallwerte gemessen wurden. Trotzdem wurden von der Regierung sämtliche Nachhaltigkeitsberichte des Unternehmens vorbehaltlos akzeptiert. Dank gezieltem Lobbing erreichte El Aguilar S.A., dass das Verfahren eingestellt wurde und der Staatsanwalt Gómez seither nicht mehr für die Provinzen Salta und Jujuy zuständig ist. Die 2012 eingereichte Klage stützt sich auf die 2009 durchgeführten Untersuchungen unter Dr. Alicia Kirschbaum des Institutes für Bio- und Geowissenschaften der Universität Salta und Leda Giannuzzi, Toxikologin der Universidad Nacional de la Plata. In der Studie von Kirschbaum wird die Schwermetallbelastung im Yacoraite-Fluss eindeutig auf die Minentätigkeit zurückgeführt. Gemessen wurden Bleiverschmutzungen im Trinkwasser, die um das 50- bis 200-fache den tolerierten Wert überschreiten. Der aktuelle Stand der Klage ist unklar, da der zuständige Staatsanwalt Wenceslao Cardozo sich weigert, Representant/innen von Universitäten oder Organisationen als Kläger/innen zu akzeptieren, da sie von der Verschmutzung nicht direkt betroffen seien.

Staatsanwalt Gómez setzt sich seit Jahren unermüdlich dafür ein, dass Umweltdelikte von Unternehmen geahndet werden. An einer Konferenz im Mai 2012 informierte er die Öffentlichkeit über die verschiedenen Klagen wegen Umweltverschmutzung, die er gegen Bergbauunternehmen in der Provinz Jujuy eingereicht hat. Gómez ist eine der treibenden Kräfte hinter der Idee eines internationalen Strafgerichts zur Verurteilung von Umweltdelikten.
News zu El Aguilar
13.10.2017: Gegen Bergbau: Zweiter Marsch der Indigenen und Wassergipfel in Argentinien
11.4.2017: Siebentägiger Marsch von Indigenen gegen den Bergbau durch die Jujuy-Provinz
18.9.2013: Zwei Todesopfer bei Unfall im Bergwerk El Aguilar
9.1.2013: Das Bergbauunternehmen Minera Aguilar S.A. (seit 2005 Glencore) und die Verbrechen der argentinischen Militärdiktatur

Dokumentation zu El Aguilar

Leider gibt es im Netz kaum Informationen zum Unternehmen Aguilar S.A. Sämtliche Websiten zur Aguilar-Mine bzw. den Unternehmen Aguilar S.A. oder AR Zinc sind ausser Betrieb genommen worden...

Zu den Menschenrechtsverletzungen während der Militärdiktatur (1976-1983):

Zur Umweltverschmutzung: