Mutanda Mining (MUMI) Kongo

Mutanda Mining (MUMI) betreibt in der kongolesischen Privinz Katanga zwei Tagebauminen und drei Verarbeitungsanlagen. Im Jahre 2012 produzierte das Unternehmen 87'000 Tonnen Kupfer und 9'000 Tonnen Kobalt. Bis 2011 hielt Glencore 40% der Aktien von MUMI und war an der operationellen Führung beteilligt. Im Juli 2013 erfuhr MUMI eine wesentliche Expansion, indem das Unternehmen Kansuki Operations integriert wurde. Glencore war seit 2010 zu 37,5% an Kansuki beteiligt. Somit ist Glencore plc heute indirekt zu 54,5% am erweiterten Unternehmen MUMI beteiligt. Mit der Kansuki-Konzession ist ein Entwicklungsprojekt für Kupfer- und Kobaltabbau auf einer Fläche von 185km2 dazugekommen. Das fusionierte Unternehmen hat eine jährliche Produktionskapazität von 200'000 Tonnen Kupfer und 23'000 Tonnen Kobalt.

Dubioses Geschäftsgebaren

Im September 2011 verlangte der IWF von den staatlichen Bergbauunternehmen Sodimico und Gécamines eine Erklärung dafür, warum sie ihre Anteile an Mutanda Mining und Kansuki weit unter dem Marktwert und ohne öffentliche Information verkauft hatten. Der IWF machte eine Investition zur Verbesserung der kongolesischen Wirtschaft von 561 Millionen US-Dollar von dieser Erklärung abhängig. Gécamines hatte ihre 20%-Beteiligung an MUMI für 137 Millionen anstelle der geschätzten 600 Millionen US-Dollar verkauft. Die Käuferin war Rowny Assets, ein auf den British Virgin Islands registriertes und mit dem israelischen Geschäftsmann Dan Gertler assoziiertes Unternehmen.
Dan Gertler ist ein enger Vertrauter des kongolesischen Präsidenten und eine Schlüsselfigur bei der Vergabe von Minenlizenzen. Er war ausserdem Partner der ehemaligen Glencore, u. a. in der Firma Kansuki Investments. Diese verzichtete auf ein Vorkaufsrecht für Anteile an der Kansuki-Mine, bevor diese zu einem Zehntel ihres geschätzten Wertes an Biko verkauft wurde. Verkäuferin war wiederum die staatliche kongolesische Gécamines. Biko ist eine Briefkastenfirma auf den British Virgin Islands, die eine Korrespondenzadresse in Zürich hat und ebenfalls Dan Gertler gehört. Die Vermutung liegt nahe, dass diese Geschäftspraxis nicht ohne Bezahlung von Schmiergeldern vor sich geht.
Es wird geschätzt, dass dem kongolesischen Staat mit der Verschleuderung von Minenlizenzen rund 5.5 Milliarden US-Dollar entgangen sind.

Minentätigkeit in Wildtierreservat

In einer Studie von Fastenopfer, Brot für Alle und Benchmark Foundation (2011/2012) zum Bergbau der ehemaligen Glencore in der Demokratischen Republik Kongo hat sich herausgestellt, dass sich die Mine von MUMI mitten im Wildtierreservat Basse-Kando im Bezirk Kolwezi befindet. Gemäss kongolesischem Gesetz dürfte dort keinerlei Abbaulizenz erteilt werden. Dennoch wurden in den letzten 10 Jahren mehrere Abbaulizenzen vergeben, auch wenn MUMI bis heute das einzige Unternehmen ist, das bereits abbaut. Wegen des verursachten Lärms, den Geruchsemissionen und der Erschütterungen sind Elefanten, Büffel, Antilopen und andere gefährdete Tiere ins benachbarte Sambia abgewandert.

Mangelnde Arbeitsbedingungen

Die genannte Studie bemängelt auch die Arbeitsbedingungen innerhalb des Unternehmens. Die Arbeitszeiten sind zu lang, häufig werden Überstunden angeordnet, die schlecht entschädigt oder überhaupt nicht vergütet werden. Bei MUMI existiert keine Gewerkschaft. Die Vertreter der 2009 gegründeten Personalvertretung wurden infolge einer spontanen Arbeitsniederlegung vom Februar 2011 entlassen. Zudem werden die lokalen Angestellten gegenüber nichteinheimischen Arbeiter/innen diskriminiert. Das Mitarbeiter/innenrestaurant steht nur den "Chefs" offen, die kongolesischen Arbeitnehmenden erhalten lediglich Mehl und Konservendosen sowie Brunnenwasser fragwürdiger Qualität.
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