Ausführlichere Information zu arbeitsrechtlichen Problemen bei Prodeco

Die Arbeitspolitik, die Glencore in den letzten Jahren gegenüber der Arbeiter/innen von Prodeco und den dazugehörigen Tochterfirmen betrieben hat, muss als absolut gewerkschaftsfeindlich bezeichnet werden. Einerseits nutzte das Unternehmen die komplizierte Firmenstruktur aus, um die flächendeckende Organisation der Arbeiter/innen zu verhindern; Tarifverhandlungen wurden immer nur mit einzelnen Subunternehmen geführt. Wenn es zu Tarifverhandlungen kam, so wurde der Prozess vom Unternehmen bis zum Streik oder der Einberufung eines Schiedsgerichts hinausgezögert. Die Streiks wurden vom Unternehmen als illegal erklärt und die Schiedsgerichtsverfahren blockiert bzw. durch Rekurse verzögert.

Im August 2007 verbarrikadierten 117 entlassene Minenarbeiter und ihre Familien die Eingänge der Mine Hierbabuena in La Jagua. Die Entlassenen waren nicht direkt bei Glencore, sondern beim Subunternehmen Operadores Mineros del César (OMC) angestellt gewesen. Im März 2007 war es der Gewerkschaft Sintramienergética gelungen, die Arbeiter von OMC zu organisieren. Kurz darauf kündete Glencore die Zusammenarbeit mit OMC - angeblich aus mangelnder Rentabilität - und stellte neue Arbeiter/innen ein. Die Blockaden wurden von der Sondereinheit ESMAD der Polizei geräumt, es kam zu 25 Verletzten.

Drei Jahre später gelang es Sintramienergética, in Prodecos Tochterfirma Consorcio Minero Unido (CMU) eine Gruppe von Arbeiter zu organisieren und der Firma einen Forderungskatalog für Tarifverhandlungen einzureichen. Daraufhin drohte das Unternehmen diesen Arbeitern mit der Entlassung und verweigerte ihnen den Zuschuss für die Ernährung. Gleichzeitig offerierte es finanzielle Anreize für den Austritt aus der Gewerkschaft oder dafür, ihr erst gar nicht beizutreten. Der Aushandlungsprozess endete in einem Schiedsgericht, das nach über zwei Jahren Verzögerung durch das Unternehmen ein Urteil gefällt hat. Das Urteil wurde vom Unternehmen jedoch unverzüglich angefochten.

Anders als bei den Tochterfirmen CMU und Carbones del Tesoro kam es in Carbones de la Jagua (CdJ) am 17. Juli 2008 - kurz vor Streikbeschluss - zur Vertragsunterzeichnung mit Sintramiénergetica. Auch wenn die Gewerkschaft wesentliche Forderungen, wie z.B. derjenigen nach der Behandlung aller Tochterunternehmen als einzige einheitliche Firma, nicht erreicht hatte, zog sie das Ergebnis einem zermürbenden Streik mit Repression und Verletzten vor. Hingegen endete die Neuverhandlung des GAV im Jahr 2012 in einer noch heute vorherrschenden angespannten Situation:
Am 19. Juli 2012 trat Sintramienergética in den Streik, weil innerhalb der legalen Verhandlungsfrist keine Einigung erzielt werden konnte. CdJ reichte daraufhin beim Gericht des Bezirks Valledupar Klage ein und verlangte die Illegalerklärung des Streiks, da die Gewerkschaft Gewalt angewendet und Drittfirmen wie CMU oder Dienstleistungsfirmen ebenfalls bestreikt habe. Das Bezirksgericht erklärte mit dem Urteil vom 27. Juli 2012 den Streik jedoch für rechtens und sah die geltend gemachten gewerkschaftlichen Gewaltanwendungen nicht als erwiesen an. Während des Streiks verweigerte Glencore die Verhandlungen oder knüpfte diese an unerfüllbare Forderungen, sodass der legale Zeitrahmen für einen Streik von 60 Tagen verstrich. Glencore beharrte weiterhin auf bestimmten Forderungen, sodass es auch in der vom Arbeitsministerium einberufenen Vermittlungskommission zu keiner Einigung kam. Sintramienergética beendete den Streik Ende Oktober 2012 nach 98 Tagen aus Angst, dass das Oberste Gericht den erstinstanzlichen Entscheid umstossen könnte. Dies hätte Glencore ermöglicht, den Streik gewaltsam aufzulösen und sämtliche Arbeiter zu entlassen. Ausserdem hatte das Arbeitsministerium zu diesem Zeitpunkt endlich das obligatorische Schiedsgericht einberufen. Wie in den anderen Schiedsverfahren ist es bis heute zu keinem Ergebnis gekommen.
Seit Beginn dieses Arbeitskonfliktes hat Glencore die Gewerkschaft mit verschiedenen Klagen eingedeckt, indem auch die verschiedenen Tochterunternehmen die Gewerkschaft wegen Illegalität des Streiks angeklagt haben. Auch wenn die erstinstanzlichen Urteile zu Gunsten der Gewerkschaft ausfielen, wurden diese von den Tochterunternehmen systematisch weitergezogen, um wertvolle Ressourcen der Gewerkschaft zu binden und für diese kaum bezahlbare Gerichtskosten zu verursachen. Am 10. April 2013 hat das Oberste Gericht im Revisionsurteil den Streik als illegal erklärt, weil es am ersten Streiktag entgegen der Feststellung im erstinstanzlichen Urteil zur Gewaltanwendung gekommen sei. Die Gewerkschaft denunzierte eine unzulässige Einflussnahme des Anwaltes von Glencore, da dieser bis vor kurzem Richter der Abteilung für Arbeitsrecht des Obersten Gerichts gewesen ist.
Im Anschluss an diesen Arbeitskonflikt häuften sich die Drohungen gegenüber wichtigen Führungspersonen von Sintramienergética. Der Präsident der Sektion La Jagua, Ricardo Machado, wurde am 12. Februar 2013 von einem bewaffneten Mann bedroht. Weitere anonyme Todesdrohungen folgten per SMS. Im April 2013 wurde das Büro von Sintramienergética in Valledupar beschossen und ein Communiqué der paramilitärischen Gruppe „Los Rastrojos“ hinterlassen, in dem die Gewerkschaft zum militärischen Ziel erklärt wurde.

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