Proteste in Basel gegen chinesische Syngenta-Übernahme

Medienmitteilung vom March Against Monsanto & Syngenta, 5. April 2017

Morgen 06. April demonstrieren Aktivistinnen und Aktivisten der Basler Bewegung «March against Monsanto & Syngenta» vor dem Syngenta-Hauptsitz in Basel gegen die bevorstehende Übernahme des Agromultis durch den chinesischen Staatskonzern ChemChina und die Macht der Konzerne. Anlass war die Bewilligung der Transaktion durch die EU-Kommission.


Nach Dow-Dupont bewilligt die Europäische Kommission nun auch die Übernahme Syngentas durch ChemChina. Später dieses Jahr muss die EU Behörde über die Fusion von Bayer und Monsanto entscheiden. Mit diesen Zusammenschlüssen würde die Konzentration in der weltweiten Saatgut- und Pflanzenschutz-Branche bisher unerreichte Ausmasse annehmen. „Wir sind enttäuscht über den Entscheid der EU-Kommission. Anstatt die Macht der transnationalen Konzerne einzuschränken und die Demokratie zu stärken, lässt die EU-Kommission zu, dass das Oligopol der Agromultis weiter an Marktmacht gewinnt“, meint Ueli Gähler von der Organisation Multiwatch. In einem offenen Brief hatten La Via Campesina, Greenpeace, Pesticide Action Network, Swissaid und 200 weitere Organisationen aus ganz Europa die EU-Wettbewerbskommissarin Ende März aufgefordert die Auswirkungen der anstehenden Fusionen im Agrarbereich in ihrer Gesamtheit zu betrachten und abzulehnen. Bis heute fehlt jedoch jegliche Stellungnahme dazu.

Besonders beängstigend ist diese Macht-Konzentration angesichts des andauernden Bemühens dieser Konzerne, Patente auf Pflanzen und deren Eigenschaften zu lösen und von der Landwirtschaft monopolistische Patentabgaben einzutreiben. In Ländern wie Argentinien und Brasilien führen diese Abgaben zum Ruin von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern und damit zu einer weiteren Stärkung der profitorientierten industriellen Landwirtschaft.

Die Konzentration der Agromultis führt auch zur Verstärkung der weltweiten Standardisierung des Saatguts und damit zu einem Rückgang der Agrobiodiversität. Dies vermindert die Chancen der Landwirtschaft, auf die Unwägbarkeiten der Klimaerwärmung zu reagieren und gefährdet somit die Nahrungsmittelsicherheit.

Die chinesische Staatsführung will die Patente von Syngenta nutzen, um Pestizide für die chinesische Landwirtschaft und den Export in andere Länder zu entwickeln. China ist bereits heute der grösste Pestizid-Produzent der Welt und liefert etwa das in China selbst verbotene hochgiftige Pestizid Paraquat in andere Länder. Zudem wird erwartet, dass mit der Übernahme Syngentas die regulatorischen Hürden, die dem Anbau von gentechnisch verändertem Saatgut in China im Weg stehen, schrittweise überwunden werden. Die chinesische Bevölkerung ist wie die schweizerischen Konsumenten grossmehrheitlich gegen gentechnisch veränderte Nahrungsmittel. Die Basler Syngenta soll nun das Wissen und die Patente liefern, um gentechnisch veränderte Lebensmittel gegen den Willen der Bevölkerung durchzusetzen.

Der Basler «March against Monsanto & Syngenta» bereitet eine grosse Demonstration am 20. Mai 2017 in Basel vor. Er wird von mehr als 50 Organisationen unterstützt, darunter Basler Linksparteien, Grüne, Gewerkschaften und zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen.
Zoë Roth vom Organisationskomitee zieht eine positive Bilanz. „Es gibt immer mehr Menschen auch in der Schweiz und im Dreiländereck, die nicht tolerieren wollen, dass Monsanto und Syngenta ihr Profitstreben über die ökologischen und sozialen Anliegen in der Weltlandwirtschaft stellen.“
Bilder der Aktion, Liste der unterstützenden Organisationen und mehr Infos finden Sie hier
Offener Brief an die EU-Kommission
Auch Brüssel gibt grünes Licht für die Übernahme (NZZ, 4.4.2017)
Fusionen schaden den Bauern (Schweizerbauer, 27.3.2017)

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