Zuger Konzern beendet heikle Aktivitäten in Westsahara

Die Westsahara ist ein Land mit einem völkerrechtlich unklaren Status. Deshalb kritisieren NGO, Aktionäre und die Justiz den dortigen Abbau von Rohstoffen. Neben Erdöl geht es auch um Phosphat und Tomaten.


Das im Kanton Zug ansässige Unternehmen Glencore stellt seine Erdöl-Probebohrungen in der Westsahara ein und will sich aus dem Gebiet zurückziehen. Die Bohrungen stiessen in der lokalen Bevölkerung und bei Nichtregierungsorganisationen (NGO) auf Widerstand, und auch der Ständerat beschäftigte sich im Januar dieses Jahres mit den dortigen Aktivitäten des Rohstoffunternehmens. 1975 hatte Marokko die Westsahara besetzt und betrachtet sie seither als Teil des eigenen Staatsgebiets. Zugleich wurde jedoch 1975 ein unabhängiger Staat auf dem Territorium ausgerufen, der von der Afrikanischen Union und zahlreichen Ländern anerkannt wird. Die Uno fordert seit Jahren ein Referendum über den Status der Westsahara, der bis heute ungeklärt ist.(...)

Glencore war seit längerem unter Beschuss wegen der Aktivitäten in der Westsahara. Im Herbst 2016 antwortete Glencore auf eine parlamentarische Anfrage, die Explorationen des Unternehmens stünden im Einklang mit internationalem Recht. Ein juristisches Gutachten aus dem Jahr 2002 des früheren Uno-Untergeneralsekretärs Hans Corell besagte allerdings, die Ölsuche in der Westsahara sei ohne vorherige Konsultation der Bevölkerung illegal.

Diese Sicht wurde Ende 2016 durch einen Entscheid des Europäischen Gerichtshofes bestätigt. In einem Urteil zum Handelsabkommen zwischen der EU und Marokko entschied das Gericht, die Westsahara sei nicht Teil der Verträge, da sie nicht zu Marokko gehöre, sondern ein eigenständiges Gebiet und damit ein autonomer Verhandlungspartner sei. Die Europäische Kommission – in der divergierende Haltungen gegenüber der Westsahara existieren – arbeitet nun an der Umsetzung des Urteils, das für viele Firmen eine gewisse Rechtsunsicherheit mit sich bringt.

Laut der NGO Westsahara Resource Watch ist Glencore in den letzten Jahren in der Frage der Westsahara bei einigen Investoren unter Druck geraten. So hätten zum Beispiel der dänische Investor Sydbank, der schwedische Versicherer Folksam sowie die Bank Öhmann Glencore aus dem Portfolio gestrichen. Laut Terre des Hommes Schweiz sind in der Westsahara abgesehen von sehr kleinen Firmen nun noch lediglich die amerikanische Firma Kosmos Energy sowie die britische Cairn Energy tätig.(...)
Ganzer Artikel (NZZ, 11.5.2017)

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