Nestlé zertifiziert sich selber

Nestlé Waters gibt am 25. Oktober 2017 bekannt, dass das Unternehmen die Zusammenarbeit mit der Alliance for Water Stewardship-Initiative (AWS) ausbauen und 20 internationale Standorte bis 2020 nach diesem Standard zertifizieren lassen wird.


Vier seiner Werke hat Nestlé Waters bisher zertifizieren lassen: Eines in Sheikhupura, Pakistan, und drei in Kalifornien, USA (Ontario, Sacramento und Livermore). Weitere Produktionsstätten in Afrika, Asien, Kanada, Europa, Lateinamerika und den USA sollen bis 2020 zertifiziert werden.

Die Alliance for Water Stewardship-Initiative (AWS) ist eine Initiative, die Nestlé im Jahr 2008 mitgegründet hat und heute Multis wie McDonald's, Coca-Cola und Veolia, aber auch Entwicklungsorganisationen wie Helvetas oder NGO's wie der WWF dazugehören. Frage: Kann man sich über eine Organisation zertifizieren lassen, die man selber mitgegründet hat?

Noch interessanter ist die Frage, wie es Nestlé geschafft hat, dass die vier genannten Abfüllanlagen zertifiziert worden sind. Wir erinnern uns:

Sheikhupura (Pakistan): Neben Nestlés Wasserabfüllfabrik in klagen die AnwohnerInnen über das dreckige Trinkwasser, das Kinder krank mache. Mit seinem Tiefbrunnen nehme Nestlé der Bevölkerung das Wasser weg. Das Wasser sei sehr dreckig geworden und der Wasserspiegel von 100 auf 300 bis 400 Fuss gesunken. Den Wunsch des Dorfes nach einer Leitung mit sauberem Wasser oder zumindest einem tiefen Ziehbrunnen habe Nestlé abgelehnt. Doe Situation in Pakistan wird eindrücklich im Film "Bottled Life" dokumentiert.

Ontario (Kalifornien): Die Trockenheit in Kalifornien hat sich in den letzten Jahren zugespitzt. Trotzdem pumpt Nestlé Trinkwasser im Nationalpark San Bernhardino ab, um es in Flaschen abzufüllen. Der Konzern tut dies, obwohl seine Bewilligung 1988 abgelaufen ist. Die Bevölkerung und Umweltorganisationen wehren sich mit Klagen, Petitionen und Protestaktionen. Im April 2017 verlangt die Bevölkerung, dass Nestlé den Wasserabbau zumindest solange drosselt, bis sich das Gebiet und der Grundwasserspiegel von der 5 Jahre dauernden Trockenheit erholt hat.
Nestlé Waters baut Zusammenarbeit mit Alliance for Water Stewardship-Initiative aus - Zertifizierung von 20 Werken bis 2020 geplant (Finanzen.net, 25.10.2017)
Gestion durable de l'eau : Nestlé Waters amorce la certification de ses usines (La Tribune, 25.10.2017)
Proteste gegen Nestlés Wasserabbau im San Bernhardino-Park (MultiWatch, 6.4.2017)
Nestlé verteilt Almosen und bekommt Wasserrechte (InfoSperber, 22.1.2012)

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