Swissaid lässt sich im Tschad erpressen

Ein Angestellter von Swissaid wird im Juni in Afrika verschleppt. Das Hilfswerk, das Glencores Erdölgeschäft im Tschad angeprangert hatte, versteht die Botschaft und zieht seine Studie mit der Kritik am Rohstoffbusiness zurück.


Am 12. Juni war die Welt von Swissaid noch in Ordnung. Das heisst natürlich: eigentlich gar nicht. Das Hilfswerk konnte in einer investigativen Recherche zeigen, dass der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore mit der korrupten Regierung im Tschad Deals einging, die undurchsichtig und damit zweifelhaft blieben.

Glencore, entgegen den bisherigen Gepflogenheiten, ging in die Offensive und liess sich immerhin dafür gewinnen, an einem öffentlichen Anlass in Bern Red und Antwort zu stehen.Am 14. Juni fand auch in Genf ein solcher Anlass statt, an dem ein Mitarbeiter der tschadischen UNO-Vertretung in Genf teilnahm. Strafrechtlich relevante Verfehlungen bei den Erdölgeschäften mit dem Tschad warfen die Autoren Glencore nicht vor, tschadische Regierungsvertreter hingegen kamen schlechter weg.

Kurz darauf wendete sich das Blatt für Swissaid. Fernab der öffentlichen Wahrnehmung in der Schweiz krebste das Hilfswerk zurück und distanzierte sich von seiner aufwendigen Recherche. Die Organisatorin entfernte den Bericht sogar von der Website. Links darauf führen ins Leere. Wie konnte es so weit kommen?

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In diplomatisch verschlüsselter Sprache nimmt das Schreiben auf Repressionen Bezug, die sich nach der Veröffentlichung der Studie ereignet hatten. Der tschadische Chauffeur des Hilfswerks wurde verschleppt und für einige Tage festgehalten. Sein Fahrzeug wurde beschossen. Caroline Morel bestätigt die Vorfälle. Der Chauffeur sei inzwischen wieder frei, das Auto hingegen bleibe unauffindbar und sei nun als gestohlen gemeldet.(...)
Ganzer Artikel (BZ, 1.11.2017)

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