MultiWatch Newsletter September/Oktober 2017

Wir haben es alle gelesen: Die "Paradise-Papers" belegen, was wir schon vermutet haben - Rohstofffirmen wie Glencore und Vitol nutzen komplexe Offshore-Konstrukte, um die Bevölkerung rohstoffreicher Ländern um ihre Einnahmen zu betrügen.

Es besteht zwingender Handlungsbedarf, darum braucht es die Konzernverantwortungsinitiative!

Denn die Paradise Papers enthüllen nur die Spitze des Müllberges, wie Sie unserem September/Oktober-Newsletter entnehmen können.

Inhaltsverzeichnis

Aktiv werden und die Konzernverantwortungsinitiative unterstützen!


Die Initiative kommt nächstes Jahr zur Abstimmung. Eine erste Umfrage zeigt grosse Unterstützung. Doch der Gegenwind von Seiten der Konzern-Lobby wird gross sein.

Deshalb: Jetzt aktiv werden und hier die Initiative unterstützen!

2.11.2017: Chemiekonzern INEOS: Kriminalisierung der Proteste, Steuervermeidung, Umweltverschmutzung und Arbeitskonflikte
In den letzten Jahren hat die Erdöl- und Erdgasgewinnung aus tiefen Gesteinsschichten - das sogenannte Fracking - zunehmend an Bedeutung gewonnen. Eines der grössten Fracking-Unternehmen in England ist INEOS, eine Privatfirma, die seit 2010 ihren Sitz in Rolles hat. Dieses Unternehmen ist auf unermüdlichem Wachstumskurs. Eines der Mittel, um diesen Weg zu ebnen ist die am 31. Juli gerichtlich erlangte Verfügung, die Protestform "slow walking", d.h. Strassenblockaden und/oder Behinderung der Zulieferungen, zu verbieten. Dies ist aber nur die Spitze des Eisbergs.
Zur Recherche von MultiWatch

25.10.2017: Die grausame Welt der Tomatenpflücker

Gerichtsunterlagen zeigen, wie schlecht die Arbeitsbedingungen von Erntearbeitern in Italien sind. Die von ihnen gepflückten Tomaten landen auch in Läden von Coop und Migros.


Vor zwei Jahren starb Abdullah Muhammed. Der 47-jährige sudanesische Migrant arbeitete in der süditalienischen Stadt Nardo als Tomatenpflücker. Der «Guardian» berichtet, dass der zweifache Familienvater noch am Leben sein könnte, hätte ihn sein Arbeitgeber rechtzeitig zum Arzt geschickt.

Das geschah nicht. Der mit einer Aufenthaltsbewilligung ausgestattete Muhammed erlag einem Herzinfarkt. Es handle sich um eine ungeheuerliche Verletzung der Sicherheitsvorschriften, so die zuständige Staatsanwältin Paola Guglielmi. Denn sein Tod sei absolut unnötig gewesen.

Der britischen Zeitung liegen Gerichtsunterlagen vor, die insgesamt ein schlechtes Licht auf die italienische Tomatenindustrie werfen. Die Branche setzt jährlich mehr als 3 Milliarden Euro um. Die Arbeitsbedingungen sind aber offenbar prekär. Staatsanwältin Guglielmi sagt gegenüber dem «Guardian», dass es sich um absolut ausbeuterische Bedingungen handle. Die Tomaten landen auch in den Dosen der grossen italienischen Hersteller Cirio und Mutti. Die Produkte von Cirio werden auch von Coop und LeShop, der Onlinetochter der Migros, verkauft. (...)
Ganzer Artikel (TagesAnzeiger, 25.10.2017)
The terrible truth about your tin of Italian tomatoes (The Guardian, 24.20.2017)

10.10.2017: Syngenta angeklagt in Indien: 50 Todesfälle und 800 in Lebensgefahr

Seit August 2017 sind 50 BäuerInnen und LandarbeiterInnen an den Folgen ihres Kontaktes mit Pestiziden gestorben, 800 Menschen kämpfen um ihr Leben. Bereits 2015 hat ein Bericht von Public Eye die Missstände bezüglich Schutzkleidung und die schädigenden Auswirkungen der Pesizide aufgezeigt. Jetzt hat die indische Polizei gegen drei Chemieunternehmen Anklage erhoben, darunter Syngenta.


Von den 50 Todesfällen fallen 22 in den Distrikt Yavatmal der dürreanfälligen Region Vidharbha. Diese Region wurde bekannt als jene mit der höchsten Rate an Suiziden unter den BäuerInnen. Todesfälle sind aber auch in den Distrikten Akola, Nagpur, Buldhana, Amravati und Bhandara zu verzeichnen.
Rund 800 mussten wegen Infektionen, Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen und Schwindel hospitalisiert werden. Bei den meisten Betroffenen handelt es sich um LandarbeiterInnen, die sich mit der gefährlichen Arbeit des Pestizidversprühens ein Extrageld verdienen wollten.

Nun werden Stimmen laut, die die Maharashtra-Regierung beschuldigen, nicht rechtzeitig reagiert zu haben. Gleichzeitig hat die Polizei mehrere Pestizidverteiler und -produzenten wegen Tötung angezeigt, darunter auch Syngenta. Syngenta vertreibt in der betroffenen Region ein Pestizid namens "Polo".
Mehr dazu

26.9.2017: Nestlé in Brasilien unter Beschuss

Internationale Lebensmittelhersteller, darunter auch Nestlé, sind von der «New York Times» ins Visier genommen worden: Sie seien für die Fettleibigkeit der Brasilianer verantwortlich, heisst es.


Die Reportage kommt für Nestlé zur Unzeit. Kurz bevor der Schweizer Lebensmittelkonzern an seinem Investorentag die Strategie für die nächsten Jahre erklären will, ist in der «New York Times» eine dreiseitige Reportage über die Ess-Probleme der Brasilianer erschienen. Danach sind heute 20% der Bevölkerung fettleibig, 58% haben Übergewicht, und 9% der Kinder leiden unter starkem Übergewicht und erkranken deswegen immer öfter an Diabetes oder Bluthochdruck. Verursacher von Adipositas als Volkskrankheit seien vorab die Lebensmittelkonzerne, meint die «NYT».(...)

Laut dem Bericht bieten internationale Lebensmittelkonzerne in den aufstrebenden Märkten Produkte an, die sie in den Industrieländern gar nicht mehr absetzen können, weil sie zu salzig, fettig und zu süss sind. Mit den wachsenden Verkäufen einfacher Artikel könnten die Firmen das langsame Wachstum in ihren Heimatmärkten ausgleichen, heisst es. Ein Blick auf den Konsum eines ärmeren Haushaltes in Brasilien bestätigt die Fehlernährung: Wer es sich leisten kann, der trinkt Cola schon zum Frühstück, isst Chips gegen den Hunger und geniesst süssen Kuchen zwischendurch.(...)
Ganzer Artikel (NZZ, 26.9.2017)
How Big Business Got Brazil Hooked on Junk Food (NYTimes, 16.9.2017)
Nestlé mit einem Heer ahnungsloser Verkäuferinnen (InfoSperber, 14.10.2017)

20.9.2017: Holcim Indien: Zwei Angestellte sterben bei grausamem Unfall

Am 17. September 2017 sterben zwei Temporärangestellte in einem schrecklichen Unfall im Ambuja-Zementwerk von LafargeHolcim in Bhatapara (Chhattisgarh, Indien).


Der Unfall passiert um halb vier morgens in der Steinmühle. Fünf Angestellte sind an Reparaturarbeiten innerhalb der Steinmühle dran, als diese plötzlich in Betrieb gesetzt wird. Die zwei Temporärangestellten Dhirendra Verma (38) und Dilip Kumar Verma (27) erleiden schwerwiegende Verletzungen, an denen sie kurz danach im Spital erliegen. Nach Aussagen der anwesenden Angestellten waren zum Umfallzeitpunkt die entsprechenden Vorgesetzten vor Ort.

Dies ist nicht der erste schlimme Unfall in dieser Fabrik. Bereits 2013 sterben 5 Angestellte, als der Flugaschentrichter kollabiert und durch vier Stockwerke durchbricht.
Ganzer Artikel (IndustriALL, 20.9.2017)

13.9.2017: Korruption: Schwere Vorwürfe gegen Liebherr
Der Freiburger Baumaschinen-Hersteller Liebherr soll Schmiergeld bezahlt haben, um an Staatsaufträge in Südafrika zu gelangen. Erhoben hat die Vorwürfe eine südafrikanische Journalistengruppe. Liebherr bestätigt gegenüber der «Handelszeitung» die Vorwürfe und hat eine Untersuchung angekündigt. (...)
Konkret wird Liebherr vorgeworfen, in den Jahren 2013 und 2014 rund 55 Millionen südafrikanische Rand an Staatsfirmen und Personen in deren Umfeld bezahlt zu haben. Das sind zum aktuellen Wechselkurs über 4 Millionen Franken. Die Gelder sollen unter anderem als illegale Gegenleistung für die Lieferung von Containerkränen geleistet worden sein.(...)
Ganzer Artikel (Handelszeitung, 13.9.2017)

Weitere Glencore-Sünden in Kürze
9.11.2017: Paradies Papers: Offshoretricks bei der Betreibung von La Alumbrera
2.11.2017: Glencore übernimmt in Peru den umstrittenen Konzern Volcan
27.10.2017: England: Gerichtsprozess gegen Glencore wegen Polizeirepression in Espinar gestartet
20.10.2017: Glencore Peru: Intransparenz bei der Coroccohuayco-Erweiterung
19.10.2017: Kanada: Bereits neunter Streikmonat bei Glencore
14.9.2017: Verletzung der Arbeitsrechte: Weltweite Kampagne gegen Glencore
12.9.2017: McArthurRiver: Glencore bezahlt wieder einmal Null Steuern
11.9.2017: Rosneft: Der mysteriöse Glencore-Deal

Neue Studien, Publikationen und Dokumentationen
"Estado tóxico" - Reportage von Amnesty Peru zur Umweltverschmutzung in Espinar
Gunvor im Kongo: Öl, Schmiergeld, Politik. Die Abenteuer einer Genfer Firma in Brazzaville - Dokumentation von Public Eye
Glencore in Kolumbien: Blutiger Boden - Rundschau, 11.10.2017
Global Compact: Entwicklungshilfe für Philip Morris, Credit Suisse und Co. - Woz, 5.10.2017
Modern slavery in Company Operation and Supply Chains: Mandatory transparency, mandatory due diligence and public procurement due diligence - Report ITUC, 13.9.2017

Veranstaltungen
16.-18. November: 2. Filmtage im Breitschträff: Drecksgeschäfte - Schweizer Multis und ihr rücksichtsloses Handeln mit Rohstoffen
18. November: Strukturanpassung, Kredite, Korruption und Profite – das Beispiel Mosambik (KEESA-Tagung)

News
Zu den News